Grundlagenwerk über Bündner Pflanzen
Von Karin Hobi
Erstes Grün spriesst aus dem Boden und bunte Blüten strecken ihre Köpfe vorsichtig gegen den Himmel. Begleitet von bunt durchmischtem Vogelgezwitscher und wärmeren, längeren Tagen. Der Frühling ist da und wird uns in den kommenden Wochen und Monaten mit seiner Vielfältigkeit und seinem Farbenreichtum erfreuen.
Auch der Kanton Graubünden wird in seiner vollen Pracht erblühen. Welche Pflanzenarten hier zu finden sind, wurde vor 91 Jahren in vier Buchbänden dokumentiert. Im Jahre 1932 erschien damals der erste Band der umfangreichen «Flora von Graubünden» von Josias Braun-Blanquet und Eduard Rübel. Bis 1935 folgten drei weitere Bände. Alle damals bekannten Blumen, Bäume und Sträucher des Kantons wurden dokumentiert. Aber inwiefern hat sich die Pflanzenwelt seither verändert? Welche Pflanzen sind selten geworden oder gar verschwunden, welche Arten sind während der vergangenen 100 Jahre höher gewandert, welche verdrängen die einheimische Flora und welche verdienen einen besonderen Schutz?
Um diese Fragen zu beantworten, soll eine neue und aktuelle «Flora» im Kanton Graubünden erscheinen. Die ersten grossen Schritte für das Projekt «100 Jahre danach» sind seit 2022 in vollem Gange. Ein Buch und eine Webseite mit vielen bunten Pflanzen- und Landschaftsbildern sollen es sein. Das Buch wird im Jahr 2032 herauskommen und die aktuelle Verbreitung und Häufigkeit der Bündner Pflanzenarten aufzeigen. «Wie das Buch aussehen soll, steht noch nicht fest», so Ingrid Jansen, die Botanikerin und Organisatorin. «Jetzt sind wir vor allem in der Phase der Datenerfassung.» Innert der nächsten sieben Jahre soll nämlich der ganze Kanton durchforscht werden. Jede Pflanzenart – von Blumen über Bäume, Sträucher und Gräser – wird elektronisch mit den Koordinaten der einzelnen Fundorte erfasst. «Kartieren» oder «Inventarisieren» wird das genannt. Der Kanton wurde dafür in Flächen unterteilt, die von verschiedenen Arbeitsgruppen in ehrenamtlicher Arbeit durchforscht werden.
Das Gremium besteht seit Dezember 2022 aus zwölf Personen und bereits 140 Freiwiliige helfen begeistert mit. «Das ganze Vorgehen ist sehr zeitintensiv und das Team angewiesen auf freiwillige Mithelfende», erzählt Ingrid Jansen. Sie koordiniert die Arbeitsgruppen und organisiert Anlässe, um neu dazugekommene Leute zu instruieren und informieren.