Flattert Apollo definitiv davon?
Genau diese Differenzen aufarbeiten will der emeritierte Professor an der Uni Basel. Dazu kommt er schon seit Jahren regelmässig nach Davos. Dabei vergleicht er seine Beobachtungen mit den Fundmeldungen, die Dorfpfarrer Hauri 1918 in einer Publikation der Naturforschenden Gesellschaft Davos mit Titel «die Grossschmetterlinge von Davos» aufgelistet hatte. «Fünf dieser Arten kann ich inzwischen nicht mehr finden», stellt Erhardt fest. Das sei noch nicht dramatisch, sagt er, besorgt ist er dennoch. Denn die gleichen Faktoren, die anderenorts zum Verschwinden der Schmetterlinge führten, greifen auch hier. Zum einen ist es die Landwirtschaft. «Ihre Auswirkungen sind gleich zweifach. Einerseits durch die Intensivierung der Bewirtschaftung, andererseits durch die Aufgabe genau dieser.» Denn es verschwanden die kleinräumigen Strukturen mit den zeitlich gestaffelten Nutzungszeiten. «Die Landwirtschaft schuf früher unbeabsichtigt ideale Lebensbedingungen für eine Vielzahl von Schmetterlingen und anderer Insekten.» Ein weiterer Punkt ist die natürliche Verbu-schung und die vom Menschen geförderte Bewaldung. «Darum bin ich eigentlich glücklich über den Felssturz am Seehorn. Er gibt vielen Offen-Land-Arten wieder eine Chance.» Dann ist da die Bebauung des Tales – «Ein von Hauri beschriebenes Vorkommen des Apollo am Platz ist inzwischen überbaut.» – und nicht zuletzt der Klimawandel. «Gewisse Arten können vor der zunehmenden Wärme vorläufig noch in die Höhe ausweichen.» Als Beispiel nennt Erhardt den Alpen-Apollo, den er inzwischen gut 500 Meter höher vorfindet, als von Hauri beschrieben. Umgekehrt nennt der Schmetterlingskundler Arten, die hier früher nicht oder kaum anzutreffen waren. «Der Schachbrettfalter und das Waldbrettspiel sind Beispiele.»