«Es ist gut, dass ihr da seid»
«Es sind noch immer viele Fragen geblieben», sagt Iris. Sie ist Likrat-Vermittlerin und absolviert gerade ihren vierten Einsatz im Rahmen von Likrat-Public, einem Dialog- und Aufklärungsprojekt des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG). Zu zweit durchstreifen sie während drei Wochen Davos, beobachten, unterstützen oder greifen ein, wo nötig. «Die jüdischen Gäste haben schon einiges gelernt», stellt Iris fest. Dazu beigetragen haben sicher die Broschüre «Willkommen in den Schweizer Alpen» des SIG zuhanden jüdischer Gäste. An die Gastgeber wiederum richtet sich die Publikation «Jüdische Gäste in der Schweiz» von Hotellerie Suisse und Schweiz Tourismus. Gemeinsam hatten die drei Verbände die Papiere vor vier Jahren herausgegeben. Ein Thema darin ist die schweizerische Grüsskultur. Inzwischen würden ausländische jüdische Gäste sich vermehrt in dieser Kunst versuchen, sagt Iris. «Obwohl sie das aus ihren Heimatländern überhaupt nicht kennen.» Um solche Annäherungen zu unterstützen, sind die Likrat-Vermittelnden ständig auf Achse. «Wir gehen überall dort hin, wo es gemäss Rückmeldungen zu Problemen kommt.» Solche Orte seien zum Beispiel Spielplätze. «Ich beobachte sehr schöne Bilder von Kindern aller Herkunft, die miteinander spielen», stellt Iris fest. Dass Kinder auch mal ermahnt werden müssten, anderen Platz zu lassen, sei wohl normal und werde so gehandhabt. Gerne beschwere man sich auf Davoser Seite auch, dass sich jüdische Gruppen auf den Trottoirs breitmachten und keinen Platz für andere liessen. Doch das sei keine exklusiv jüdische Unart, stellt die Vermittlerin fest. «Da sehe ich keinen Grund, einzuschreiten.»
Einfache Lösungen
Viele Probleme würden aus gegenseitiger Unkenntnis geboren und könnten relativ einfach behoben werden, weiss Iris inzwischen. «Dazu muss man zuerst einmal wissen, dass für diese Menschen die Ferien in Davos ein absoluter Höhepunkt sind.» Zu Hause seien sie sehr stark von der Arbeit absorbiert, und das Leben spiele sich grösstenteils im Haus ab. «Dann kommen sie hierher, in die Natur, die Berge, die frische Luft und sind zuerst einmal einfach begeistert.» Ausserdem sei das ein Ort, wo man als Familie wieder zusammensein könne. Darum sehe sie eigentlich nur strahlende Gesichter, wenn sie ihnen unterwegs begegne.