«Es gibt uns immer noch»
In den 70er-Jahren – es war die Zeit, in der das Bewusstsein wuchs, dass vieles im Handel mit den südlichen Ländern sehr ungerecht lief – gab es auch in Davos einige Leute, die sich intensiv mit diesen Problemen auseinandersetzten.
Parallel dazu erwachte bei den Landfrauen vermehrtes Interesse am Spinnen, Weben, Körbe flechten, Sticken, schnitzen etc. Nur, eine Absatzquelle für die hergestellten Produkte fehlte.
Zufällig trafen sich Leute der beiden Gruppen, und es entwickelte sich die Idee eines gemeinsamen Ladens. Die einen wollten Artikel aus der Dritten Welt verkaufen, und die anderen ihre Handarbeiten aus Graubünden. Die Umsetzung wurde an die Hand genommen, ein Lokal an der Oberen Strasse 61 konnte gemietet werden. Die Gestaltung der Inneneinrichtung übernahm Urs Hegnauer, unterstützt von Leo Luzi. Es wurden Regale gezimmert. Die Gründungsmitglieder Hans und Elisabeth Röllin, Urs und Lisbeth Hegnauer, Cäcilia Bardill, Erika Hoffmann und Anni Biäsch bestellten ein erstes Sortiment für den Laden.
Am 31. Januar 1982 war es soweit, und das «Mitenandlädeli» öffnete seine Türe. Die Davoser Zeitung berichtete über die Eröffnung. Die Zusammenarbeit war faszinierend: Es gab keine offiziellen Strukturen. Mitarbeitende kamen und gingen, viele blieben. Alle setzten ihr Talent uneigennützig ein, dort wo es gebraucht wurde. Die Verantwortung für die verschiedenen Hintergrundarbeiten im Laden waren breit verteilt: Lisbeth Hegnauer betreute von Anfang an bis heute die Buchhaltung des Ladens. Erika Hoffmann war die Kontaktperson zu den verschiedenen Bäuerinnenvereinen und den bis zu 100 Produzentinnen, die durch die Zeitschrift «Haus und Hof» aufgefordert wurden, uns Handarbeiten zu senden. Weitere Frauen übernahmen den Einkauf für die Dritt-Welt-Seite. Diese bezog ihre Waren hauptsächlich von der damaligen Einkaufsorganisation OS3 in Sonceboz und von der Caritas in Luzern.