Zum Hauptinhalt springen
Leben und Freizeit

«Es geht nicht anders»

Der Anruf der Davoser Zeitung kam für Patrick Gurini, Leiter technische Dienste nicht überraschend. «Das war zu erwarten», seufzte er. «Und nein, wir probieren gerade nichts Neues aus.»
Barbara Gassler
08.02.2022, 06:46 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Worum geht es? Bisher war es so, dass nach Schneefällen der Schnee auf den Hauptverkehrsachsen von Pflügen zusammengeschoben, mit Schleudern auf Lastwagen verladen und anschliessend zur Deponie abgeführt wurde. Die Seitenstrassen kamen jeweils an den darauf folgenden Tagen dran. Der liegengelassene Schnee verdichtete sich auf den Strassen und Gehwegen zu einem harten Panzer, auf dem gut Fahren und Gehen war. Doch irgendwann, bevorzugt erst gegen Frühjahr, musste auch dieser Eispanzer aufgebrochen und abgeführt werden. Dazu besitzt die Gemeinde schweres Gerät, das dann tagelang unterwegs ist. «Weiss räumen», heisst diese Methode.

Andere Zeiten

Über die Schneeräumung wird in Davos diskutiert, seit es Schnee gibt, und man passte sich schliesslich immer den äusseren Bedingungen und den aktuellen Bedürfnissen an. Solange es noch «richtige» Winter gab, in denen die Temperaturen wochenlang deutlich unter dem Gefrierpunkt verharrten und auch der Autoverkehr noch überschaubar war, funktionierte das eingangs beschriebene Sze-nario einwandfrei. Zunehmend ist es aber so, dass es auch im Januar nur noch nachts richtig kalt wird. Tagsüber, und besonders da, wo die Sonne hintrifft, steigen die Temperaturen inzwischen gerne deutlich über die Null-Grad-Grenze. Entsprechend stark verändern sich die Bedingungen. Was morgens noch eine einigermassen gangbare Schnee-Eis-Mischung ist, taut tagsüber zu Matsch auf und wird abends zur Eisfläche. Daher müssen die Schneeräumungsequipen vom eingangs beschriebenen Vorgehen abweichen. Aktuell prognostizierten die Meteorologinnen nach den intensiven Schneefällen jeweils einen Wärmeeinbruch. «Wir entschieden daher, die Strassen schwarz zu räumen», berichtet Gurini. Am Donnerstag wurde nach der Initialräumung vom Morgen am Mittag mit dem Schwarzräumen der Strasse begonnen. Bis zum Abend war die Promenade sowie die Talstrasse und auch ein Stück der Dorfstrasse fertig. Der erwartete Wärmeeinbruch habe ihnen keine andere Wahl gelassen, erklärt Gurini. Ansonsten hätte der liegen gelassene Schnee die Strasse innert kürzester Zeit in ein Kraterfeld verwandelt, das früher oder später mit viel Aufwand doch noch hätte geräumt werden müssen. «Wir schafften an diesem Nachmittag, wozu wir sonst fünf Tage brauchen», sagt Gurini.

Einschränkungen am Abend

Was die Schneeräumer als Erfolg verbuchen, sorgte umgekehrt bei den Verkehrsteilnehmenden für Ärger. Denn anstatt eine breite, geräumte Strasse vorzufinden, mussten sie den am rechten Rand zurückgebliebenen Schneemaden ausweichen. Besonders das Kreuzen mit den Bussen wurde so zur Millimeterarbeit im Zeitlupentempo. Weggeräumt wurden diese Schneeresten dann am frühen Freitagmorgen, bis dahin zirkelte der Verkehr durch eine verengte Strasse (siehe Frontbild). «Die meisten unserer Fahrer war seit den Nachtstunden im Einsatz und hatten das Maximum der erlaubten Einsatzstunden erreicht», begründet Gurini, warum die Resten nicht auch noch in den Abendstunden abgeführt wurden.

Welche Vorgehen das Richtige für die Zukunft ist, soll ab Frühjahr eine Arbeitsgruppe besprechen und entsprechende Vorschläge machen.

Kommentar

 

Neue Bescheidenheit

Frühmorgens, mein Termin ruft und ich eile aus dem Haus. Doch halt, schon beim ersten Schritt wird klar: «Vorsicht, Rutschgefahr!» Auf der Hauptstrasse angekommen, quält sich der Verkehr im Schneckentempo an mir vorbei. Auch der Bus muss sich hinter der Schneeschleuder einreihen. Mittags ärgere ich mich über die Autos, die mich beim Vorbeibrausen bespritzen, und seufze abends, wenn der Bus sich seinen Weg ganz vorsichtig durch den Gegenverkehr suchen muss. Auf den letzten Metern fürchte ich mich vor den unter dem wiedergefrierenden Matsch entstandenen Eisplatten. Wahrlich kein Zuckerschlecken.

Sollte das nicht besser gemacht werden können? Wahrscheinlich schon, die Frage ist, wie viel Aufwand man dafür zu betreiben ist. Mit ensprechendem Preisschild natürlich. Da wage ich die Frage zu stellen, ob wir hier das Pferd nicht am falschen Ende aufzäumen. Ist es richtig und berechtigt, jederzeit ohne Sorgen eine freie Bahn zu erwarten/zu verlangen? Oder stünde uns etwas Bescheidenheit nicht besser an? Wir sind gerade dabei zu lernen, dass sich das Klima aufgrund unseres Verhaltens ändert. Dass wir in Zukunft gut daran tun, mit und nicht gegen die Natur zu arbeiten. Würde uns dieser Gedanke nicht auch im Zusammenhang mit der Mobilität gut anstehen? Dass wir uns den äusseren Gegebenheiten anpassen und nicht auf Biegen und Brechen versuchen, sie unsere Bedürfnissen anzupassen. Dass wir gelegentlich mal einen Schritt zurück machen, mehr Zeit einplanen, andere Lösungen suchen oder sogar mal verzichten. Nur so ein Gedanke. Was meinen Sie dazu, liebe Leserinnen und Leser?

Barbara Gassler, DZ-Redaktorin