Er hat Davos für die Haut entdeckt
Geboren am 2. Juni 1924 in Berlin-Wilmersdorf studierte Siegfried Borelli Humanmedizin in Berlin, Prag und Hamburg, unterbrochen vom Krieg mit schwerer Verwundung, bei der er ein Auge verlor. Neben Medizin studierte er noch Psychologie und erwarb einen zweiten Doktortitel.
Dermatologe und Allergologe
1949 schloss er sich als Assistenzarzt dem Team von Professor Alfred Marchionini an der Hautklinik Hamburg an, dem er 1951 nach München folgte und der ihn vor allem auch für die Untersuchungen zum Einfluss von Klimafaktoren auf Hautkrankheiten und Allergien motivierte. Borellis wissenschaftliche Leistungen sind beeindruckend mit über 500 Publikationen in Fachzeitschriften und Büchern. Einmalig ist das siebenbändige Nachschlagewerk «Krankheiten der Haut und Schleimhaut durch Kontakte in Beruf und Umwelt» ( «Noxenkatalog»).
1967 erhielt Siegfried Borelli einen Ruf auf den neuzugründenden Lehrstuhl für Dermatologie und Venerologie an der neuen Medizinischen Fakultät der Technischen Universität München (TUM).
Neben der exzellenten Patientenversorgung, die immer auch die menschlichen Aspekte umfasste – waren ihm gute Arbeitsbedingungen für alle Mitarbeiter sowie die Aus- und Weiterbildung von Studierenden und jungen Fachärzten ganz besonders wichtig.
Klimaforschung für Hauterkrankungen und Allergien
Zusammen mit seinem Lehrer Alfred Marchionini suchte er von 1951 bis 1960 an verschiedensten Orten in Bayern, Österreich, Italien und der Schweiz nach möglichen Orten für Klimatherapie von Hautkrankheiten und fand schliesslich Davos als am besten geeignet. Man kann sagen, dass Siegfried Borelli die geschützte Hochgebirgstal-Lage von Davos für die Haut und die Allergie entdeckt hat; für die Lunge war dies schon im 19. Jahrhundert bekannt, als Alexander Spengler das erste Sanatorium errichtet hatte.
Zur Realisierung waren aber intensive Verhandlungen mit verschiedenen Stellen in Deutschland, der Schweiz und Bayern notwendig, bis es 1960 im Auftrag des Bundesministers für Arbeit und Soziales (BMA) der Bundesrepublik Deutschland zur Gründung einer dermatologischen Abteilung im Sanatorium Valbella in Davos Dorf kam, die am 1.4.1961 eröffnet wurde. 1967 stimmte das Bayerische Kultusministerium der Berufung von Siegfried Borelli zum Chefarzt der Höhenklinik Valbella in Personalunion mit der Leitung der Dermatologischen Klinik der TU München am Biederstein zu. 1974 wurde die Klinik ins Alexanderhaus verlegt. Es wurde 1976/77 renoviert und mit Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und verschiedene Träger weiter ausgebaut und schliesslich zur berühmten «Deutschen Klinik für Dermatologie und Allergie Davos – Alexanderhausklinik». Sie behandelte bis 1992 mit über 300 Betten und mit monatelangen Wartezeiten insgesamt über 46 000 Patienten mit Hauterkrankungen und Allergien. Viele dieser Patienten erfuhren nicht nur kurzzeitige Linderung, sondern lang anhaltende, richtungsweisende Verbesserung. 1993 bis 1995 wurde das Haus erneut renoviert.