Im Moment sein mit dem Einrad
Von Riccarda Hartmann
Rennen fahren. Tricks machen. Hockey spielen. Basketball spielen. Sogar schwingen. Man kann vieles machen. «Es ist vielseitig, das Einradfahren», sagt auch der Vizepräsident des Einradvereins «Ursli», Markus Büchel. Nur schon in der Halle könne man viele Tricks lernen und durchführen. Doch dort, wo er am liebsten fährt, ist in den Bergen. «Ich kann somit das Einrad und das In-den-Bergen-Sein kombinieren.» Dort finde er es spannend, herauszufinden, was er schaffe, ohne hinunterzusteigen oder vom Rad zu fallen. «Man muss sich sehr auf den Weg konzentrieren. Jeder Stein, jede Wurzel kann dich aus dem Gleichgewicht bringen», meint er. An diesem Mittwochmorgen ist er jedoch nicht auf dem Berg, sondern in der Halle. Mit rund 30 Kindern auf Einrädern, anlässlich der Sportwoche. Am Nachmittag geht es dann aber mit acht weiteren auf das Postauto den Berg hinauf und mit dem Einrad wieder hinunter.
In der Halle haben sich die Kinder in Gruppen eingeteilt, je nach Niveau. Einige spielen Hockey, andere versuchen das Aufsteigen, ohne sich an etwas festzuhalten. Drei Mädchen fahren immer wieder über eine Matte oder Seile am Boden. Manchmal klappt es, manchmal rutscht das Einrad unter ihnen weg. Es ist eine Vorbereitung, um ein Gespür dafür zu bekommen, draussen in der Natur zu fahren. Dort, wo es lauter solcher Hindernisse gibt. «Ich gehe mindestens einmal in der Woche. In die Berge wandere ich immer und fahre anschliessend hinunter», sagt Markus Büchel, als den er Kindern zuschaut. Und so wie an diesem Mittwoch sähe auch das Training des Einradvereins aus, das jeweils am Freitagabend stattfindet. Unterschiedliches auf kleinem Raum. Manche spielen, andere lernen zu fahren. Oder man lernt Tricks oder studiert eine Choreografie zu Musik ein. Am Sonntag geht es dann jeweils in die Berge, wo sich die Vereinsmitglieder in Gruppen bewegen. So dann auch bei einer Challenge, die bald in Graubünden ansteht.
Diesen Donnerstag findet die vierte Grischa Muni Challenge statt. Dieses Jahr im Engadin, um Pontresina herum. Davor in den Jahren 2010, 2012 und 2019 fand die Challenge in den Regionen Arosa, Lenzerheide und Davos statt. Das Grischa Muni wird vom Verein organisiert und geht über vier Tage, an denen die Teilnehmenden in Gruppen jeweils neun Stunden Zeit haben, um zum Treffpunkt zu kommen, der am Abend davor bekannt gegeben wird. «Es geht dabei nicht auf Zeit», betont Markus Büchel. Das Ziel ist viel mehr, in der angegebenen Zeit so viele Höhenmeter und so viel Strecke wie möglich zurückzulegen. Dabei gibt es dreimal mehr Punkte, wenn man hinaufläuft, als wenn man hinunterfährt. 300 Höhenmeter abwärts ergeben 100 Höhenmeter aufwärts. Bei der Distanz zählt ein Kilometer gleich viel wie 100 Höhenmeter. Das Ziel sollte im angegebenen Zeitrahmen erreicht werden, ansonsten gibt es massiven Abzug.
Am Donnerstagabend treffen sich die rund 50 Teilnehmenden aus ganz Europa in Pontresina, sie erhalten das erste Ziel und das Kartenmaterial. Dann geht es in den Teams von drei bis sechs Personen an die Planung der Route. Bahnen und der ÖV können ebenfalls genutzt werden. Am gleichen Abend wird die Route den drei Organisatoren abgegeben. Zur Sicherheit und als Hilfe bei der Auswertung am nächsten Abend.
Markus Büchel, als einer der Organisatoren, fährt an der Grischa Muni Challenge auch mit: «Jedoch fahre ich einfach mit als Begleitung der zwei jüngsten ‹Urslis›, die mitmachen, damit eine erwachsene Person dabei ist.»
Königinnen und Könige der Berge
Neben oder besser während der Grischa Muni Challenge findet das «Quing of the mountain» statt. Königinnen und Könige der Berge. Dieses besteht aus rund 70 Aufgaben, aus denen ausgewählt werden kann. Von sportlichen bis zu spassigen Aufgaben. Vom Sprung über einen Bach bis zum Lackieren der Nägel auf einem Gipfel oder dem Kochen eines Fondues. Mit Fotos und Film werden die Momente festgehalten und am Abend gemeinsam angesehen. Auf diese zweite Challenge freut sich einer der jüngsten Teilnehmenden besonders. Der 14-jährige Manuel verrät, er sei ein wenig aufgeregt, doch vor allem habe er Freude daran, mitmachen zu können.
Markus Büchel
«Was man mit dem Bike fahren kann, kann man mit dem Einrad so oder so fahren», meint Markus Büchel. Eher sei es noch mehr. Man sei wendiger. Man könne hüpfen. Kein Lenker sei im Weg. «Es ist schon immer eine Kunst, herauszufinden, was man alles fahren kann», sagt er. Es sei ihm auch schon passiert, dass er viel laufen musste, da die Route nicht befahrbar war. Bremsen kann man übrigens mit den Beinen, was sehr anstrengend ist. Inzwischen haben Bergeinräder Scheibenbremsen.
«Es ist für mich auch ein Abschalten. Man ist dort und denkt sonst an nichts», sagt Markus Büchel. Das Wandern und Fahren in den Bergen. Manchmal ist es Adrenalin. Doch viel mehr sei es Erholung für ihn. Etwas, wo er im Moment ist.