Ein Leben ohne Grenzen
Nicht vielen Leuten ist der in Ostafrika gelegene Südsudan ein Begriff. Das Land wurde erst 2011 vom Sudan unabhängig und kam auch seither nicht wirklich zur Ruhe. Mit einer geschätzten Bevölkerungszahl von rund elf Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandprodukt von 228 US-Dollar pro Kopf gilt es als ärmstes Land der Welt.
Viel mehr zu erzählen wüsste der 1943 in Davos geborene Conradin Perner, der über viele Jahre im Südsudan forschte und wirkte. In Davos aufgewachsen, promovierte er ursprünglich als Sprachwissenschaftler, bevor er während Jahren als Ethnograf bei den Anyuak lebte, einen der 64 Stämme des Südsudan, und darüber eine umfassende Arbeit schrieb. Zuerst war Perner allerdings als Delegierter der Internationalen Kommission des Roten Kreuzes (IKRK) tätig, was ihn in den frühen 1970-Jahren für Einsätze nach Bangladesch und Südvietnam führte. Doch 1974 kam Perner an die Universität in Karthum, Sudan, wo er während zwei Jahren lehrte. So kam er 1975 zum ersten Mal mit den Anyuak in Kontakt, unter denen er bis 1989 arbeitete. Sie gaben ihm den Namen Kwacakworo.
Kampf für einen eigenen Staat
In den drei Jahren darauf wirkte Perner im Südsudan wiederum als Delegierter des IKRK. Das war in einer Zeit, als südsudanesische Rebellen erneut für einen eigenen Staat kämpften. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebiet zwar in den Sudan eingegliedert worden, doch die Südsudanesen fühlten sich nie zugehörig und kämpften immer wieder um ihre Unabhängigkeit. Während zehn Jahren existierte das Gebiet sogar als autonome Region. Als die Zentralregierung jedoch den 1972 geschlossenen Friedensvertrag zunehmend missachtete, brachen 1983 neue Kämpfe aus. Der Krieg endete 2005 mit einem Friedensabkommen zwischen dem Nordsudan und der für die Unabhängigkeit kämpfende sudanesische Volksbefreiungsarmee (SPLA), der den Weg zum heutigen Staat ermöglichte.