Vom Wert des Selbermachens
von Cindy Ziegler
Die Farben strahlen, springen förmlich ins Auge und sorgen für fröhliche Stimmung. Im Allgemeinen weiss man gar nicht, wohin den Blick wenden in dieser grossen Halle. In diesem Baumarkt und Bastelshop. Konsum im Überfluss könnte man denken. Und überdenkt das dann auch schnell wieder. Von der Decke hängen gefaltete Papiersterne, an den Regalen viele Engelchen. Aus Papier, aus Perlen, aus Filz. Daneben Werkzeuge und Kleinmaschinen. Es wird klar. Hier geht es um den Wert des Selbermachens. Im «Do it» dreht sich vieles ums Tun und nicht um den reinen Konsum. Wie passend.
Josias Gasser, operativer Co-Leiter mit Agnese Bronzini und Verwaltungsratspräsident der Gasser Gruppe, begrüsst mit festem Händedruck und macht sich sogleich auf die Suche nach Mitarbeiterin Corinne Aeberhard. «Sie leitet den Bastelshop und den Gartenbereich und kann viel mehr zum Selbermachen sagen als ich», meint er. Er geht voraus durch die Regale im grossen Bastelshop des Bündner Baumarktes. Sie sind gefüllt mit Perlen, Makramee-Schnüren, Stiften, Papier und vielem mehr. Dann kommt die Gesuchte, sie empfängt mit einem warmen Lächeln. Was macht denn das Selbermachen und Handwerken aus? Sie lächelt wieder. Dann meint sie schlicht: «Es schafft eine andere Beziehung zum Endprodukt.» «Das gilt auch für den Baumarkt und Profihandwerkende», wirft Josias Gasser ein. Man verbringe schliesslich beim Herstellen viel mehr Zeit mit dem Produkt. «Und Zeit haben wir ja ohnehin immer zu wenig», so der Chef.
Die Do-it-yourself-Bewegung startet in den 1950er-Jahren. In den 60ern und 70ern erlebt sie gar einen regelrechten Aufschwung. Ein breites gesellschaftliches Phänomen. Mehr Freizeit, mehr Wohlstand und Hochkonjuktur liessen, aus dem Baustoffhandel heraus, die Baummärkte entstehen. Im Kanton Graubünden war der «Do it»-Baumarkt 1983 der Erste. Passend zu Rock ’n’ Roll und Flower-Power steckt darin auch Selbstermächtigung, Selbstorganisation und Improvisation. Die Szene wächst und wächst. Sie dehnt sich aus – auch auf andere Bereiche. Der Aufschwung hält an bis ins neue Jahrtausend. Das Selbermachen bleibt angesagt. Die Coronapandemie beflügelt zusätzlich.