Dieser Sommer hat es den Bündner Äpfeln nicht leicht gemacht
Äpfel und Birnen aus der Schweiz lassen dieses Jahr länger auf sich warten. Um bis zu drei Wochen soll sich die Ernte verzögern, meldete das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg im Kanton Aargau kürzlich. Der Grund: Die Apfelbäume brauchten dieses Jahr länger, bis sie in voller Blüte standen. Der Frühling war kälter als sonst.
In Graubünden hält sich die Verzögerung der Apfelernte in Grenzen. In knapp zwei Wochen sollen die Gala-Äpfel in der Region bereit sein, wie Marco Frey, Teamleiter Obstbau beim Plantahof, gegenüber Radio Südostschweiz sagt. Bereit heisst in diesem Fall, dass sie den gewünschten Durchmesser von 70–85 Millimeter erreicht haben. Frey rechnet damit, dass die letzten Äpfel durch die Verschiebung Anfang November geerntet werden können. «Wir sind zehn Tage später dran als sonst. Das macht aber nichts.»
Tafeläpfel werden von Hand geerntet. Würde man sie mechanisch ernten, würde das Obst Schläge und Druckstellen davon tragen, sagt Frey. Danach sei es nicht mehr lagerbar. Dasselbe wäre bei Hagelschlägen der Fall: Die Äpfel könnten in einem solchen Fall nur noch für die Saftproduktion verwendet werden. Wurmstichige Äpfel können ebenfalls nicht verkauft werden: «Fleisch wird nicht akzeptiert in Früchten», sagt Frey.
Extremer Pilzbefall wegen nassem Wetter
Deutlich mehr Sorgen als um den kalten Frühling haben sich der Plantahof und alle anderen landwirtschaftlichen Zentren der Schweiz während dieses nassen Sommers um den falschen Mehltau gemacht. Diese Pilzkrankheit kann sich bei hoher Feuchtigkeit ideal ausbreiten. In der ganzen Schweiz hatten Landwirtinnen und Landwirte mit diesem Schädling grosse Probleme. «Wir mussten mehr mit Spritzmittel fahren als andere Jahre», sagt Frey. Während man Schädlinge wie Insekten auch erst nach dem Befall einsprühen könne, müsse man die Früchte gegen Pilzbefall vorbeugend behandeln. Und diese Mittel seien wie Sonnencrème: «Wenn es viel regnet und die Pflanzen nass werden, wird diese abgewaschen und wir müssen nachlegen.» Frey hofft jetzt auf einen trockenen Herbst. Dann, sagt er, haben die Bündner Äpfel dieselbe Qualität wie immer. (jas)