Die Zugvögel reisen mit Verspätung
von Laura Bernasconi
Im Herbst können wir immer wieder Vogelschwärme beobachten, die sich auf den Weg in den Süden machen. Wie die Vogelwarte Sempach auf ihrer Website festhält, fliegen die Zugvögel bis spätestens Ende Oktober in ihr Winterquartier. Obwohl der November bereits angefangen hat, sind hierzulande noch immer viele Vögel zu sehen, und auch das Vogelgezwitscher ist noch deutlich zu hören. Wieso sind die Zugvögel immer noch hier und wie können sie überhaupt im Schwarm fliegen, ohne zusammenzustossen?
Welche Zugvögel gibt es bei uns?
«In Graubünden gibt es eine grosse Vielfalt von Zugvögeln», sagt Stephan Liersch, Biologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bündner Naturmuseums. «Denn fast alle fliegen über den Kanton oder lassen sich kurz hier nieder.» Die Vögel kommen von Norden über die Alpen und fliegen danach weiter in den Süden. Die verschiedenen Zugvögel legen dabei unterschiedlich lange Strecken zurück: So überwinden die Mauersegler auf ihrer Reise nach Afrika mehrere Tausend Kilometer, die Zilpzalps müssen bis in den Mittelmeerraum etwa 2000 Kilometer weit fliegen.
Die Formation der Vögel
Gemäss Liersch fliegen die meisten Zugvögel alleine in den Süden und dies in der Nacht. Weniger oft fliegen die Vögel in Schwärmen – auch wenn dies viel auffälliger ist. Ein Schwarm bildet sich von mehreren Vögeln der gleichen Art, welche sich dann in ihrer Formation zusammen auf den Weg in den Süden begeben.
Ein weiterer Grund für grössere Schwärme ist auch schlechtes Wetter, wie Liersch erklärt. Wenn die Vögel über Pässe fliegen müssen und schlechtes Wetter herrscht, lassen sie sich nieder, bis das Wetter wieder flugtauglich ist. So kann es dazu kommen, dass in dieser Zeit schon der nächste Schwarm ankommt und ebenfalls warten muss – ein sogenannter Zugstau.