Die Zecken erklimmen Bündner Berge
Sommerzeit ist Zeckenzeit. Und die kleinen Blutsauger werden jedes Jahr gerissener. Waren sie früher in höher gelegenen Gebieten eher selten daheim, so gibt es heute nur noch wenige Orte in der Schweiz, an denen Naturfreunde vor Zecken sicher sind. Werner Tischhauser ist Zeckenforscher an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). Und er weiss, warum sich die Zecken so stark ausbreiten: «Einerseits hat die Klimaveränderung der letzten Jahre etwas damit zu tun.» Wie Tischhauser gegenüber Radio Südostschweiz sagt, brauchen Zecken durchschnittlich vier Grad Celcius, um sich wohlzufühlen. Und genau diese Temperaturgrenze habe sich in den letzten Jahren in die Höhe verschoben, tut es gar noch immer. Andererseits verändere sich auch die Vegetation. «Mit der ansteigenden Temperatur wandern die Zecken automatisch auch in die Höhe», so Tischhauser.
Aber auch veränderte Bewirtschaftung von einzelnen Zonen könne die Zeckenausbreitung begünstigen. Diese Entwicklungen würden zwar über einen längeren Zeitraum geschehen, liefen aber alle darauf hinaus, dass die Zecke mehr und besseren Lebensraum erhalte. Über die letzten 20 Jahre habe der Zeckenbestand pro Jahr jeweils um 15 Prozent zugenommen. Diese Zahl ist jedoch relativ ungenau, da lediglich die Zeckenstiche aufgezeichnet würden, die Zecken in der Schweiz selber können bekanntlich nicht gezählt werden.
Risikogebiet Rheintal
In Graubünden gibt es besonders im Churer Rheintal «gefährliche Ecken», wenn es um Zecken mit Borreliose oder FSME geht, wie Tischhauser sagt. Dort würden besonders viele Menschen von Zecken gestochen und an den beiden Krankheiten erkranken. Zecken seien aber überall verteilt im Kanton. Kurz: «Überall dort, wo die Oberfläche mit Vegetation bewachsen ist.» Sprich, hat es keinen Beton oder Stein, hat es ziemlich sicher Zecken. Auch in höheren Lagen, wie zum Beispiel im Engadin auf über 1500 Meter über Meer sei niemand vor Zecken sicher, erzählt Tischhauser. Er erinnert sich dabei an eine Frau in Zuoz, die in ihrem Garten von einer Zecke gestochen wurde. «Bis 1900 Metern über Meer, beziehungsweise bis zur Waldgrenze, ist es gut möglich, auf eine Zecke zu treffen», sagt der Zeckenforscher. Durch die hohe Wilddichte fänden die Zecken auch auf dieser Höhe genug zu essen. Den Menschen braucht es dazu nicht.
Vor einer Weile hat sich das Südostschweiz-Team übrigens in die hohen Gräser begeben, um Graubünden für Euch etwas zeckenfreier zu machen:
Prävention ist wichtig
Ganz schutzlos sind Menschen den Zecken nicht ausgeliefert. Allerdings hapert es an der Prävention, findet Alexia Cusini, leitende Ärztin für Infektiologie und Spitalhygiene am Kantonsspital Graubünden. «Die Bevölkerung ist zwar gewillt, sich gegen Zecken impfen zu lassen, die Bereitschaft dürfte aber gerne grösser sein.» Sie findet, dass sich eigentlich jede in der Schweiz wohnhafte Person gegen FSME impfen lassen sollte.
Doch auch die Borreliose sei nicht zu unterschätzen. «Es können Infektionen an den Gelenken entstehen oder das zentrale Nervensystem kann angegriffen werden. Das kann bis zu einer Hirnhautentzündung gehen», so die Ärztin. Borreliose könne in der Regel aber gut behandelt werden – mit Antibiotika. Falls sich die Haut auch Tage nach dem Zeckenstich noch immer rötet, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Schützen könne man sich nebst der Impfung am besten mit der Kleidung: «Je weniger unbedeckte Haut, desto besser. Auch ein Spray gegen Zecken kann helfen.»