Die Pilze brauchen Niederschlag und einen Altweibersommer
Ende August freute sich Pilzexperte Men Bisaz aus Celerina über die grossen Mengen an Steinpilzen und Eierschwämmen. Als «gewaltig» bezeichnete er zu jenem Zeitpunkt die Pilzsaison und freute sich auf einen herausfordernden Herbst mit einer grossen Pilzvielfalt vor allem in den Bündner Südtälern. Doch jetzt zeigt sich Bisaz enttäuscht. «Die Pilzsaison hat einen Einbruch erlitten», sagt er. Im Oberengadin seien die letzten paar Nächte bereits «sehr kühl» gewesen, in der Nacht auf Dienstag fiel das Thermometer auf minus zwei Grad. Sei die Kälte erst einmal in den Waldboden gekrochen, bedeute das Saisonschluss für die Pilze, so Bisaz. «Dann wachsen sie nach Ablauf der Schonzeit (jeweils 1. bis 10. des Monats, Anm. der Redaktion) wohl nicht mehr».
Zu trockene Böden und eine Seltenheit im Bergell
In den Südtälern ist es zwar noch nicht ganz so kalt, dafür sehr trocken, wie Bisaz erklärt. «Im Bergell müsste es in den nächsten Tagen viel Niederschlag geben, damit die Pilze nochmals spriessen», ist Bisaz überzeugt. Und für ideale Bedingungen müsste auf den Regen ein richtiger Altweibersommer folgen, also ein stabiles Hochdruckgebiet mit warmen Temperaturen.
Es gibt da aber doch noch etwas, worüber sich Bisaz derzeit freut. Am vergangenen Montag nämlich kontrollierte er im Rahmen einer Pilzexkursion im Bergell die gesammelten Pilze. «Dort wurden mir alle drei Knollenblätterpilze – also der grüne, weisse und gelbe – vorgelegt. Das ist selten, dass alle drei gleichzeitig vorkommen.» Diese Tatsache nährt des Pilzlers Hoffnung auf das Aufstöbern ein paar seltener Pilze in diesem Jahr vielleicht noch etwas.