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Leben und Freizeit

«Die Orgel war für mich immer ein zentraler Punkt»

Conradin Liesch
10.04.2022, 09:10 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Die Wurzeln von Peter Bauer sind in Davos zu finden: Sein Vater, der in Davos aufgewachsen ist, war Flugzeugmotor-Mechaniker. Die Geschichte rund um das Flugzeug P-16 hatte er hautnahe miterlebt. Entwickelt durch die Flug- und Fahrwerke Altenrhein, stürzte 1958 eine Vorserienmaschine ab, worauf der Bund die bereits getätigte Bestellung in Höhe von 407 Millionen Franken sistierte. «Das war ein herber Schlag für die Ostschweiz», weiss Peter Bauer, der die Leidenschaft seines Vaters für Flugzeuge übernommen hat. Geboren 1948, ist Peter schliesslich in Staad (SG) aufgewachsen.

Technisches Interesse

Technisches und die Handwerkerkunst haben Peter Bauer schon immer sehr interessiert: «Ich könnte auch alte Autos reparieren», lacht er, «aber das ist nicht so dankbar. Darum bin ich Zahnarzt geworden, weil die Grundausbildung dieselbe ist wie beim Arzt. Und das Interesse am Menschen war bei mir auch da, weil er ja eigentlich in gewissem Sinne auch ‹technisch› funktioniert, durch das Zusammenspiel der Muskeln etwa oder im Gehör. Das ist sehr spannend und gehört zum Ganzen.

In der Schule genoss er Klavierunterricht, aber weil ein Lehrer fand, er «hacke» zu sehr auf dem Instrument herum, brachte ihn dieser zum Orgelspiel, welches nicht durch die Anschlagstärke, sondern durch die sanfteren Verbindungen der Töne zur Vollendung gelangt. «Weil die Orgel auch eine mechanische Konstruktion ist, hat sie mich fasziniert», erzählt er. «Das Holz für eine Orgel wird acht Jahre lang gelagert und ausgetrocknet, damit es sich nicht verzieht, und beim Bau wird alles individuell geplant, gegossen und gefertigt».

Das grosse technische Verständnis und Wissens, das Peter Bauer zu Eigen ist, hat er im Beruf, in der Freizeit und seinem liebsten Hobby, das weit mehr ist als nur ein Steckenpferd, immer zu nutzen gewusst. Ein Perfektionist ist er, denn bei ihm gibt es keine halben Sachen. Alles muss hundertprozentig in Ordnung sein, funktionieren und an seinem richtigen Platz sein. Dann stimmt es für Peter Bauer. Doch das heisst ebenfalls, dass er liebenswürdig und stets hilfsbereit ist.

So oder so in der Kirche

1979 kam er nach Klosters – zur Enttäuschung seines Vaters «Man geht doch nach Davos, aber nicht nach Klosters». Doch nachdem Peter Bauer sich bei der Gemeinde vorgestellt hatte, eröffnete er seine Praxis an der Bahnhofstrasse. Sepp Federer, damals Vorstand der katholischen Kirchgemeinde, schlug ihm vor, er solle doch Orgelspielen, da er als gläubiger Katholik so oder so jeden Sonntag in die Kirche besuche. Als dann 1984 sogar eine neue Orgel in der katholischen Kirche installiert wurde, war auch Peter Bauer dankbar, denn so konnte er aus seinem Spiel mehr herausholen.

«Man muss das Orgelspiel wirklich wollen, weil es viel Üben bedeutet. Das wiederum bedingt eine gewisse Sturheit», schmunzelt Peter Bauer. Auch die Koordinationsfähigkeit ist nicht ohne: Linke Hand, rechte Hand und die Füsse müssen gleichzeitig drei verschiedene Melodien spielen. «Man muss sich das Stück verinnerlichen und darf während des Spiels nicht zu viel denken. Das Wichtigste daran ist der Fluss.» Zur Unterstreichung dieser Aussage erzählt Peter Bauer vom Choral «Das alte Jahr vergangen ist» von Johann Sebastian Bach, welches 365 Töne in 12 Takten beinhaltet. «Bach war nicht nur Komponist, sondern Mathematiker», weiss er zu berichten», das Orgelspiel hat aber auch mit Physik zu tun.».

Technik ja – kochen nein

Seit seiner Pensionierung ist Peter Bauer jedoch nicht wirklich müssiger geworden: Neben dem Orgelspiel pflegt er den Garten, wechselt die Pneus am Auto oder verdingt sich auch mal als Hilfsarbeiter für Orgelbauer.

«Allerdings nicht kochen!», wehrt er ab, dies mit einem verschmitzten Seitenblick auf seine Frau Ursula. Die beiden foppen sich gegenseitig auf liebevolle Art und Weise. Sie regt an, dass Peter auf der Hausorgel etwas Vorspielen könnte; das wehrt er in aller Bescheidenheit ab, aber sie lässt nicht locker. Natürlich nicht, das wusste er von Anfang an.

Kennengelernt haben sie sich während seines Hochschulstudiums in Bern. Als er sich einige Zeit nicht mehr so oft dem Orgelspiel widmete, zeigte sie ihm, wo dazu Gelegenheit wäre. Ebenfalls regte sie an, dass er an der Musikhochschule in Luzern nebenberuflich Orgelspiel studieren solle. Das tat er von 200 bis 2002 und schloss schliesslich mit dem Diplom C als Kirchenmusiker ab.

Schwerer Motorradunfall

Ursula war für ihn auch eine grosse Stütze nach seinem schweren Töffunfall vor bald 19 Jahren. Es war für Peter eine schlimme Zeit, denn fast hätte ihm ein Bein amputiert werden müssen – eine schreckliche Vorstellung für einen Orgelspieler. In der Regel kommt es bei solchen Unfällen oft zu einem bakteriellen Infekt. Das war bei ihm glücklicherweise nicht der Fall.

Mithilfe der sorgenden Fürsicht der Ärzte, etwas Glück und der aufmunternden Pflege seiner Gattin schaffte es Peter wieder zurück in seinen Beruf und an die Orgel. «Schliesslich war noch eine weitere Operation zu machen gewesen, damit ich das Bein wieder biegen konnte», erinnert er sich, «die Ärzte haben das besprochen und mich, zusammen mit Ursula, ermuntert, auch diese noch über mich ergehen zu lassen.»

Die jährlichen Kirchenmusiker-Treffen interessieren ihn sehr, etwa die Kurse über das Dirigieren oder die Gregorianik. Schliesslich stellt er ein Buch vor, dass ihn mächtig interessiert: «Ein Kasten voller Wind», welches Kindern und Erwachsenen die Orgel näher bringt. «Musik verbindet», sagt er abschliessend. Wer wüsste das besser als Peter Bauer. Immerhin arbeitet er seit 40 Jahren am Spieltisch der Orgel unermüdlich daran.

An der Versammlung der katholischen Kirchgemeinde von letztem Dienstag wurde Peter vom Präsidenten Stefan Hediger mit einer liebevollen Laudation geehrt. Dazu wurde ihm eine Dankesurkunde des Bischofes von Chur überreicht und ein Geschenk: Er, als Technik-Afficionado, darf im Führerstand einer Lokomotive mitfahren. Schliesslich gab es während des Galabuffets noch reichlich Gelegenheit, Anekdoten auszutauschen. Vielen Dank Peter, für deinen unschätzbaren Dienst für die Öffentlichkeit!