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Leben & Freizeit

Die Olma war «einfach gspunne»

Davoser Zeitung
20.11.2022, 17:33 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Bereits die Vorbereitungszeit, während der sich die Pferde an die Flüela-Postkutsche gewöhnen konnten, war ­intensiv. «Schliesslich galt es, das sechs­-köpfiges Pferdeteam mit uns Zweibeiner zu trainieren», erzählt Fopp. Dazu gekommen seien das Einstellen, Reinigen und Optimieren der Materialien sowie das Verladen der 3.3 Meter hohe Postkutsche in ein Tiefgänger. Und dann…

In der tiefen Davoser Dunkelheit wurden am 15. Oktober um 4.15 Uhr die Pferde verladen – ruhig. «Die Stimmung auf der Autobahn um 6 Uhr morgens mit vor­wiegend Tier- und Material-Transporter mit beleuchteten GR-Nummernschildern und das anschliessende Aufeinandertreffen in der Stadt St. Gallen mit diversen ­bekannten Gesichtern, vertrauten und ­vielfältigen Traditionen steigerte die freundlich-freudige Stimmung und die Verbundenheit», blickt der Davoser Kutscher zurück. «Es wirkte so, als ob wir Bündner für einen Morgen das Zentrum der Stadt St. Gallen übernahmen und die ‹Bergler›-Gelassenheit – trotz Anspannung – in den städtischen Alltag brachten.» Eine grosse Frage sei gewesen, wie wohl die Pferde auf die Stadt, die Musik und die freudige Stimmung reagieren würden. «Alle sechs Charakter-Pferde zeigten uns dies direkt nach dem Ausladen. Die Tiere und wir Begleiter vermittelten gegenseitige Sicherheit. Mit Bündner Kummet – dem Geschirr – angezogen, konzentrierten sich die Pferde wie gewohnt und motiviert auf ihre Arbeit.»

Die Emotionen der Zuschauer, die grossen Augen und der Respekt vor dem ­hohen Gefährt sowie vor den Tieren, schürten nicht nur bei den Kutschern Emotionen: «Die Pferde waren stolz und hatten Freude, ihre Arbeit auszuführen. Mit den begleiteten Tönen vom Posthorn-Bläser Berharnd Bösch wirkte die Fahrt der Postkutsche perfekt, aber auch warnend, auffordern – einfach ein freudiges Ereignis, je nach Melodie.» Die Kutscherteams mit den erfahrenen Kutschern, respektive dem «Postillon» Paul Fopp und Christian Flütsch (Pferdekutschen Klosters) führten die Pferde voll konzentriert, sicher und ruhig durch den Umzug und während des Festaktes in die Arena. «Es war uns eine Ehre, den Kanton Graubünden, Davos, die Post, die Mobilität und die Kutschenfahrkunst zu repräsentieren», freut sich Fopp.

Die Geschichte der Kutschenzentrale ­Davos führt übrigens bis ins Jahr 1840 zurück. 1864 wurde die Flüelapass-Strasse gebaut, und anschliessend bekam die ­Familie Fopp vom Bund als bewährter Transportpartner die Konzession für den Transport von Briefen, Paketen sowie Passagieren zwischen Davos und Susch. «Jetzt durften wir eine weitere Einmaligkeit mit den Zuschauern teilen und die Tradition der Flüela-Postkutsche an der Olma aufleben lassen. Dafür gilt ein riesiges Dankeschön dem Kanton Grau­bünden, der uns dies ermöglichte, und an die professionellen Organisatoren sowie an Andy Kollegger für die stets klare Kommunikation.»

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