Die Mutter aller Fragen?
Moderatorin Birgit Ottmer eröffnete den Anlass mit einer Frage an das Publikum: «Welche Krise ist wichtiger? Jene des Klimas oder jene der Biodiversität?» Das Gelächter im Saal zeigte deutlich: Das Publikum macht da keinen Unterschied. Erstaunt über diese Reaktion zeigte sich Andreas Fischlin. Für den Klimaexperten und Mitautor beim IPPC (Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen) ist ganz klar die Klimaveränderung das Grundproblem. «Die Biodiversität hat mehr Elastizität.» Wenn nur eine einzige Magerwiese überlebe, reiche das aus, um andere Standorte wieder zu besiedeln. Der Klimawandel bedrohe jedoch den ganzen Planeten. Für Sonja Wipf, Forschungsleiterin im Schweizerischen Nationalpark, sind die beiden Probleme untrennbar miteinander verbunden. «Der Verlust der Biodiversität ist jedoch greifbarer.» Allerdings warnte sie davor, den Kampf gegen den Verlust an Biodiversität zugunsten des Kampfes gegen den Klimawandel hinten an zu stellen: «Eine einmal verlorene Art kommt nie wieder zurück.» Die Langfristigkeit des Klimawandels sieht Reto Ringger, Gründer und Leiter der Globalance Bank, als Problem. «Die Mechanismen der Finanzwelt sind sehr kurzfristig.» Bei der Problemlösung gebe es verschiedene Stufen, fügte er an. Erst seit etwa fünf Jahren sei der Klimawandel ein Thema, und die meisten würden sich noch immer auf den Stufen Verleugnung und Durcheinander befinden, die einer aktiven Lösung vorangingen. Dies würde noch ein paar Jahre andauern, prognostizierte er und forderte: «Wir müssen es den Menschen einfach machen, sich zu bewegen».
Druck machen
Genau das war dann das Thema, als das Publikum miteinbezogen wurde. «Sich nachhaltig zu verhalten, ist deutlich teuerer», hiess es mehrfach. Mit Blick auf den Finanzsektor wollte Moderatorin Ottmer wissen, wo dort für den Einzelnen die grössten Hebel seien. «Ganz klar die Pensionkassen», erwiderte Ringger. Einzelne könnten Druck aufbauen und nach den Anlagestrategien fragen. «Da reichen schon eine Handvoll Leute, um zu einem ‹pain in the ass› zu werden, der ein Umdenken auslöst.» Den Einwand, der Einfluss von Wirtschaft und Politik sei zu gross, wollte er nicht gelten lassen: «Die Wirtschaft ist abhängig von Umsatz». Man dürfe die Kraft der Konsumenten nicht unterschätzen, fand er, was Wipf zum Einwurf veranlasste, der beste Konsum sei jener, der gar nicht geschehe. Auch Fischlin riet, den individuellen Spielraum auszunutzen, doch «es gibt noch immer zu viele Anreize, sich nicht um Lösungen zu bemühen».