«Die meisten Anglizismen in den Zeitungen sind unnötig»
Alina Ryser aus Glarus interessiert sich dafür, wie sich Sprache verändert. So beobachtet sie fasziniert ihre eigene Jugendsprache, die besonders viele Ausdrücke aus dem Englischen übernimmt.
Beispiele hat die Maturandin jede Menge zur Hand: «Swag» etwa heisst in ihrer Altersgruppe so viel wie beneidenswert, lässig oder cool. «Fancy» wird ebenfalls oft im Sinne von lässig verwendet. Oder «yolo» – «you only live once» (deutsch: du lebst nur einmal) ist eine Redewendung, die viel gebraucht wird, wenn man etwas macht, was Mut erfordert.
Bei der Verbreitung dieser Ausdrücke spielen laut Ryser die Social Media oder auch sogenannte Influencer eine Rolle, die sich oder Produkte in den sozialen Netzwerken vermarkten und andere damit beeinflussen. «Viele Kollegen verfolgen auch englische You-Tuber», also englische Videos auf dem Video-Musik-Kanal, fügt sie an.
Englisch ist in
«Ich habe auf meinem Handy eine megacoole App gedownloaded»: Auch so einen Satz findet sie nicht ungewöhnlich. Jugendliche wollen sich mit ihrer Sprache auch von den Erwachsenen abgrenzen. Dies ist eine Erklärung. Englische Ausdrücke hätten sich indes in allen Sprachebenen eingenistet, erklärt die Maturandin weiter.
Wörter wie cool, Beamer oder Meeting gehören längst zum Alltag. Wobei es auch Ausdrücke gibt, deren englische Herkunft nicht auf Anhieb zu identifizieren ist. So etwa das Wort «Sport», wofür das deutsche Wort «Leibesübungen» laut Ryser keinen adäquaten Ersatz bedeute.
«Sprachen haben sich immer schon verändert», weiss die junge Sprachforscherin. Da Englisch die Sprache der Technik ist, gelangten viele neue englische Fachausdrücke ins Deutsche. Eine Rolle spiele weiter, dass Englisch die Lingua franca oder die Verkehrssprache der Moderne sei, was früher das Französische und zuvor das Latein waren.
Drei Zeitungen im Vergleich
«Meine Eltern und Grosseltern kritisieren vor allem die weitverbreitete Zunahme von Anglizismen», sagt Ryser. Auch, dass sie die Jungen gar nicht mehr verstünden. «Ist das wirklich so schlimm, dass sogar ein Zerfall der Sprache droht?», fragte sich die 18-jährige Kanti-Schülerin.