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Leben und Freizeit

«Die Blütenfrau begleitet mich»

Von einer guten Freundin bekam Astrid Schwarz ein selbst gebasteltes winziges Geschenk. Dieses fragile Figürchen bedeutet ihr enorm viel – und manchmal hat Schwarz das Gefühl, dass dieses Geschenk ein Eigenleben führt.
Jérôme Stern
14.10.2017, 04:30 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Jedes Wochenende stellen mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten aus der Region Gaster/See ihren Lieblingsgegenstand – sozusagen ihr Schmuckstück – vor. Mit Astrid Schwarz sprach Jerôme Stern.

Astrid Schwarz, was stellt diese winzige Figur dar?
Es ist meine Blütenfrau. Die habe ich zu meinem 49. Geburtstag geschenkt bekommen. Eine gute Freundin von mir hat sie speziell für mich angefertigt.

Eine extrem filigrane Arbeit ...
Ja. Mich fasziniert die Feinheit der Figur. Ich denke, darin stecken sehr viel Liebe und Geduld. Ihr Mann hat dazu noch ein Gedicht verfasst – aber das habe ich heute nicht dabei. Sowohl die Figur wie auch das Gedicht begleiten mich seither durchs Leben.

Sind Sie selber tief im Innern eine Blütenfrau?
Das habe ich mir bis jetzt noch nie überlegt. Meine Freundin hat jedenfalls gemerkt, dass ich eine zerbrechliche Seite in mir habe. Auch wenn ich gegen aussen nicht so wirke. In meiner Arbeit während der letzten 30 Jahre habe ich eher meine männlichen Aspekte ausgelebt, musste mich durchsetzen und direkt sein.

Welche Tätigkeit war das?
Ich war Lehrerin und Schulleiterin. Kurz vor dem 49. Geburtstag begab ich mich auf eine Suche, wollte meine weiblichen Seiten entdecken.

Gehört dazu auch Ehrgeiz im Berufsleben?
Nein. Ich bin überhaupt nicht ehrgeizig, Prestige und Geld sind mir gar nicht wichtig. Diese Haltung steht im Widerspruch zu meinen männlichen Eigenschaften.

Tragen Sie die Blütenfrau immer mit sich herum?
Nein, sie sitzt zu Hause auf einem kleinen Altar. Dort bewahre ich Dinge auf, die mich im Leben begleiten. Sie ist mir wichtig geworden.

Was bewirkt sie in Ihnen?
Sie lässt mich erinnern. Dann denke ich an den Grund für dieses Geschenk. Manchmal geht sie vergessen, dann taucht sie plötzlich wieder auf.

Sie meinen, die Blütenfrau führt ein Eigenleben?
Ja, das ist so. Ich habe sie einige Zeit nicht mehr gesehen und erst gestern wieder gefunden. Manchmal verliere ich sie tatsächlich aus den Augen.

Sie waren zuletzt Schulleiterin in Rapperswil-Jona und haben den Job aufgegeben, um das Bistro in der Alten Fabrik zu übernehmen. Woher kam dieser Entschluss?
Ich habe 15 Jahre davon geträumt, Gastgeberin zu sein – an einem gemütlichen Ort in Verbindung mit Kultur. Das Bistro hat sich angeboten, hier stimmen viele Eckpunkte.

Haben Sie aktiv einen Ort gesucht?
Nein, der kam durch einen Zufall zu mir.

Waren Sie sofort begeistert?
Während ich mein Konzept schrieb, überlegte ich genau, ob ich das Bistro wirklich will. Das war auch eine finanzielle Frage, ich musste einiges investieren. Jetzt muss es noch laufen, wie es sollte.

Hat Ihnen die Blütenfrau geholfen?
Sie hat mir dabei geholfen, zu mir zu stehen, auch im Berufsleben.

Astrid Schwarz wurde 1965 in Herisau geboren und wuchs in Regensdorf auf. Schon in der zweiten Klasse wusste sie, dass sie Lehrerin werden wollte. Nach 19 Jahren Tätigkeit in diesem Beruf wechselte sie in die Privatwirtschaft. Anschliessend arbeitete sie als Schulleiterin zunächst in Rüti, dann in Gossau. In Rapperswil- Jona war sie ein Jahr lang Schulleiterin. Seit August führt Sie das Bistro in der Alten Fabrik. Astrid Schwarz hat zwei Kinder und lebt seit zehn Jahren in Rapperswil-Jona.