Der Wirrwarr mit dem Bündner Geld
von Susanne Turra
Nanu. Ist in Chur etwa der Bluzger wieder im Umlauf? Diese uralte typische Münze aus Graubünden? Darob mögen sich gar alteingesessene Churerinnen und Churer die Augen reiben. Zu Recht. Denn eigentlich wurde der Bluzger ja schon vor rund 150 Jahren vom Schweizer Franken abgelöst. Was heute am Christkindlimarkt wieder als Zahlungsmittel auftaucht, ist lediglich aus einer Aktion der Stadt Chur entstanden. Ein Geschenk an die einheimische Bevölkerung. In der Tat hat dieser Bluzger wenig mit der damaligen Münze zu tun. Was die Prägung anbelangt. Und was den Wert betrifft, erst recht. Trotzdem. Der Adventsbluzger lässt die längst vergangene Münzvielfalt der Stadt wieder aufleben. Mehr noch. Des ganzen Kantons. Und überhaupt. Der ganzen Schweiz. Grund genug, Yves Mühlemann in der Neumühle in Chur zu besuchen.
Zu tief war sein Wert
Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Rätischen Museums beschäftigt sich am liebsten mit dem Geld und seiner Geschichte. Er ist Numismatiker. Ein Münzkundler. «Mit dem Bluzger vom Christkindlimarkt kann ich immerhin ein Brot kaufen», betont Yves Mühlemann gleich zu Beginn und lacht. «Mit dem damaligen Bluzger konnte man das nicht.» Zu tief war sein Wert. Ein paar Rappen nur. Da hat der Adventsbluzger mit fünf Franken Gegenwert die Nase vorn. Die Münzen hatten damals lediglich den Wert ihres Materials. Der Metallzusammensetzung. Einer Kupfer-Silber-Legierung. Auch Billon genannt. «Der Bluzger war nicht schlecht», so der Numismatiker. «Er war halt Kleingeld. Gut genug für den Lokalbedarf.» Und schon sind wir mitten in der Geschichte. Dazu gleich eine kleine Anekdote. Hinter vorgehaltener Hand ist es ja immer wieder zu hören. Die Haldensteiner hätten damals Geld gefälscht. Yves Mühlemann winkt ab. «Die Haldensteiner haben schlechtes Geld hergestellt», korrigiert er. «Jede einzelne Münze muss ein gewisses Gewicht haben und einen gewissen Feingehalt. Also genug Silber und nicht zu viel Kupfer. Die Haldensteiner sind nun also hingegangen und haben horrende Mengen an Münzen hergestellt, bei denen sie diesbezüglich ein bisschen gemogelt haben. Und dann haben sie das Geld unter anderem in Süddeutschland umgetauscht. Und so ihre Kasse gefüllt.»