Der Superjäger ist in Gefahr
von Gianna Jäger und Manuela Meuli
In den 1960er- und 1970er-Jahren wäre der Wanderfalke fast ausgestorben. Grund dafür war der massive Einsatz von Pestiziden. Als die Umweltgifte später verboten wurden, erlebte der Wanderfalke in der Schweiz ein Comeback. Nun aber hat das schnellste Tier der Welt mit neuen Gefahren zu kämpfen, wie die schweizerische Vogelwarte im März mitteilte. Denn seit einigen Jahren ist der Bestand wieder rückläufig, sodass der Wanderfalke auf die Rote Liste gesetzt werden musste. Er gilt nun als «verletzlich». «Das bedeutet, dass die Tierart auch anderen Bedrohungen ausgesetzt ist, im Gegensatz zu Arten, die weniger vom Menschen tangiert werden», erklärt Andreas Kofler von der ornithologischen Arbeitsgruppe Graubünden (OAG) gegenüber Radio Südostschweiz. Er koordiniert die Erforschung des Wanderfalken im Kanton.
Die Gefahr von Mensch und Uhu
Umweltgifte seien dieses Mal aber nicht Grund für den Rückgang des Bestands. Einerseits stelle der Mensch eine Bedrohung für den Wanderfalken dar. «Der Wanderfalke ist ein Beutegreifer, der nicht bei allen Leuten besonders beliebt ist», so Kofler. Dies führe dazu, dass das Tier aktiv verfolgt werde. In Graubünden seinen vor allem auch Störungen durch Sport- und Freizeitaktivitäten in den Felsregionen – dem Lebensraum der Wanderfalken – ein ernst zu nehmendes Problem. «Wir beeinträchtigen dadurch ihren Lebensraum sowie ihr Brutgeschehen», führt Kofler weiter aus. Es entstehe also eine Konfliktsituation. Eine weitere Ursache für den Rückgang ist die Zunahme des Uhus, dem natürlichen Fressfeind des Wanderfalken. «Der Uhu dringt in die Lebensräume des Wanderfalken ein, verdrängt ihn dort als Brutplatzkonkurrent oder bedroht ihn, indem er ihn angreift oder sogar tötet.»