Der «Neujahrsbote» blickt auf den Weltkrieg zurück
von Tina Wintle
Wer vor ein paar Jahrzehnten ob Schwanden von Mettmen zur Leglerhütte wanderte, dem ist vielleicht ein rostiges Drahtseil aufgefallen. Ein Seil, das quer über den Weg und über die ganze Matt von einer Talseite zur anderen reichte. Ein Überbleibsel aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, als man im Glarnerland Sperrseile zum Schutz der Staumauern vor Fliegerangriffen über das Tal spannte.
Auch wenn die Schweiz vom Krieg verschont blieb, waren die Auswirkungen der beiden Weltkriege bis ins Glarnerland spürbar. Nach der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 begann in Europa eine Phase der militärischen Aufrüstung. Die Schweiz intensivierte ihre Bemühungen für einen aktiven und passiven Luftschutz der Zivilbevölkerung.
Wie die Seilsperren zur Fliegerabwehr über dem Stausee Garichte oberhalb von Schwanden entstanden, erzählt Autor Fred Heer in der aktuellen Ausgabe des «Neujahrsboten»; ausführlich bebildert mit historischem Fotomaterial.
Strasse wird nie gebaut
Während des Zweiten Weltkriegs war man in der Schweiz, im Hinblick auf die Stärkung der Abwehrbereitschaft des Landes, intensiv mit dem Ausbau der Verkehrswege beschäftigt. So entstand zum Beispiel in den Kriegsjahren eine moderne Strasse über den Sustenpass und auch die Projekte für den Strassenbau über den Pragel und den Panixer kamen wieder ins Gespräch. Ursprünglich stand für den Kanton Glarus die Erstellung einer Panixerstrasse im Vordergrund. Aus Gründen des «allgemeinen Landesinteresses» sprach sich 1939 die Bundesversammlung trotz Protest aus der Glarner Bevölkerung für das Projekt Kistenstrasse aus. Das Projekt sah vor, dass die neue Passstrasse am linken oder am rechten Talhang über den Limmerenboden geführt und nachher durch einen Tunnel unter dem Kistenstöckli hindurch nach Graubünden geführt hätte.