Der Gleichberechtigungsgedanke gewinnt an Kühnheit
Am Freitagabend verleiht der Zürcher Schauspieler Morris Weckherlin, dieses Jahr erstmals am Festival dabei, der Sehnsucht nach der Freiheit über den Wolken Ausdruck. Mit gleich zwei Werken der eher unbekannten Komponistin Emily Doolittles gilt es wieder einiges am Abendkonzert mit dem Titel «Migration der Vögel» zu entdecken. Die Kanadierin Doolittles lebt in Schottland und komponiert zoomusikologisch, wie sie selbst sagt – in diesem Fall den Gesang der Zugvögel. Ihr Werk «Woodwing» für Holzbläserquintett thematisiert hingegen den Flug von Vögeln. Olivier Messiaens «Petites esquisses d'oiseax», interpretiert von der Pianistin Alice Burla, dürfen in diesem Vogelkonzert nicht fehlen. Und die Pulitzer-Preis-gekrönte Komponistin Caroline Shaw hat ein vielfach geschichtetes Werk für Chor und Streicher geschrieben, auf das man gespannt sein darf. Das Schweizer Vokalconsort und die Davos Festival Camerata interpretieren es unter der Leitung von Holly Hyun Choe. (13. August um 20.30 Uhr im Hotel Schweizerhof)
Requiem auf das Patriarchat!
Am Samstagvormittag wird ein Requiem auf das Patriarchat gesungen. «Es lebt leider immer noch», bedauert Festivalintendant Marco Amherd. «Doch wenn es einmal gestorben ist, werden es wahrscheinlich die wenigsten vermissen. Denn Emanzipation soll nicht nur bisher diskriminierten Menschen helfen, sondern für die ganze Gesellschaft positive Energie freisetzen.» Das Programm beginnt mit einem gregorianischen Choral, einer Gesangskunst, die vor allem von Männern praktiziert bekannt ist. «Doch auch in Frauenklöstern wurde musiziert. Hildegard von Bingen hat beispielsweise wunderbare einstimmige Werke hinterlassen, die damals auch von ihr gesungen wurden. Motive aus gregorianischen Chorälen wurden in vielen klassischen Werken als thematisches Material verwendet und haben so stets ihre Kleider getauscht. Daher scheint es mir auch legitim, die ursprünglichen Choräle mit gemischten Stimmen zu singen. Vielleicht im ersten Moment ungewohnt, doch dann unerwartet schwebend.» (14. August, 11 Uhr, neuer Konzertort: Pauluskirche)