Das Jahr 2022 in Monstein
Der Bau des Reservoirs auf dem Roggen im vergangenen Jahr wird als Meilenstein in die Geschichte der Wasserversorgung Monstein eingehen und gibt Gelegenheit, über 130 Jahre zurück zu blicken. Im Herbst wurde das neu erstellte Reservoir oberhalb des Dorfes an der Oberalpstrasse in Betrieb genommen. Bereits 2017 hat die Fraktion Monstein die Verantwortung betreffend Wasserversorgung an die Gemeinde Davos übergeben. Mit der Erstellung einer geteerten Lastwagenstrasse und dem Neubau des Reservoirs mit Löschwasserreserve hat die Gemeinde Davos in den letzten Jahren in Monstein grosse Investitionen getätigt. Nun wird unser Dorf mit Wasser versorgt, das mit UV-Licht bestrahlt und somit von Keimen, Viren und Parasiten aller Art befreit ist. Auf den Einsatz von Chlor wird verzichtet. Das Wasser aus den 1890 gefassten Quellen an der Inneralp gilt seit jeher als arm an Mineralien. Es wäre nicht geeignet, um Mineralwasser abzufüllen, aber für die Brauerei ist es ein Glücksfall. Die wenigen Mineralien, die im Wasser vorzufinden sind, sind perfekt zur Bierherstellung geeignet.
Fliessendes Wasser im Haus zu haben, war nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Vor 1890 wurde das Wasser unter der «Aalte Matte», einem der ersten Walsersitze in Monstein, vom Oberalpbach weggeleitet und in einem offenen Graben bis oberhalb des Dorfes geführt. Damit konnten drei Tränkebrunnen und die Mühle im Gufer bedient werden.
Die Monsteiner hatten 1890 an einer Gemeindeversammlung mit 16 zu 4 Stimmen beschlossen, an der Inneralp Quellen zu fassen und eine allgemeine Wasserversorgung mit einem Reservoir und einer Druckleitung zu erstellen. Das Anbringen von Hauszuleitungen war aber noch lange Zeit untersagt. Das erste Haus in Monstein mit Wasseranschluss war das Kurhaus, das heutige Hotel Ducan. Die Besitzer, Johann Peter Stiffler und Christian Gadmer, leiteten das Wasser ohne Bewilligung ins Gebäude. Um die empörten Monsteiner zu versöhnen, stifteten sie der Gemeinde eine farbige Glasscheibe in der neuen Kirche.
Die Monsteiner Haushaltungen hatten zu dieser Zeit noch kein fliessendes Wasser im Haus. Neben dem Kochherd stand ein Wasserbänklein mit einer «Wassergatze» drin. «Hol mer no es Eimerli Wasser!», hiess es dann, und die Kinder begaben sich zum Dorfbrunnen. Anfangs der Dreissigerjahre wurden Hauszuleitungen installiert. Diese führten oft nur in die Küche und endeten mit einem Hahnen. Im Haus von Nini und Hans Accola stand ein Holzbadeofen, der mehr als eine Stunde vorgeheizt werden musste und den sie auch anderen Monsteinern zum Baden zur Verfügung stellten. Körperliche Hygiene wurde bald als etwas Wichtiges erkannt. Mitte der Dreissigerjahre wurde im Schulhaus eine Dusche erstellt. Die Knaben, die am Mittwochnachmittag Werken hatten, mussten jede Woche um halb vier zum Duschen antreten. Der Lehrer beaufsichtigte sie, die Abwartin schaute bei den Mädchen. Fast hundert Jahre später steht der Lehrer am Morgen nun wieder neben dem Brünneli: «Tüend no d Hend wäsche!»
Hans Laely, Fraktionsgemeindepräsident Monstein