«Davos weiss mehr»: Der erste Streich
Drei Forschende am AO-Forschungsinstitut (ARI) stellten sich drei Fragen: Was sind Tierversuche, welche Alternativen gibt es, und wo sind die Grenzen? Der ersten Frage widmete sich Stephan Zeiter, Tierarzt und Programm-Manager Präklinische Dienste am ARI. Tierversuche seien gemäss dem schweizerischen Gesetz alle Massnahmen, bei denen lebende Tiere verwendet würden, um wissenschaftliche Fragen zu klären. Dabei wäge der Gesetzgeber zwischen dem Nutzen für den Menschen und der Belastung für das Tier ab. Entsprechend seien sie in verschiedene Kategorien eingeteilt, und es brauche in jedem Fall eine Bewilligung zur Durchführung des Versuchs, erklärte Zeiter. Die Belastungen werden dabei in die Stufen 0 bis 3 eingeteilt. Zur Gruppe 0 gehören reine Beobachtungsstudien, wie zum Beispiel das Besendern von Tannenhähern, um ihren Einfluss auf die Verbreitung von Arven zu erforschen. In die Belastungsgruppe 1 gehören Massnahmen wie das Abnehmen von Blut, bei 2 werden Tiere bereits in Narkose gelegt und operiert, und bei der 3. und höchsten Belastungsstufe werden zum Beispiel Transplantationen vorgenommen. «Zwei Drittel der in der Schweiz vorgenommenen Tierversuche gehören dabei in die Kategorien 0 und 1». Vor zwanzig Jahren wären noch siebzig bis achtzig Prozent ihrer Versuche mit Tieren gewesen. Jetzt seien es lediglich noch zwanzig bis dreissig, berichtete Zeiter weiter. Um die Zahl der Tierversuche weiter zu reduzieren, werde in der Forschung nach dem 3-R-Prinzip vorgegangen, «Das bedeutet Replace (Ersetzen), Reduce (Verringern) und Refine (Verbessern).»
Alternativen mit Limiten
Der Frage, was die Alternativen können, nahm sich Sibylle Grad, Principal Scientist am ARI an. Gewisse Antworten würden sie im Zellversuch erhalten, sagte sie. «Wenn es aber um den Einfluss auf den ganzen Körper geht, sind wir noch immer auf Tierversuche angewiesen.» Jedoch seien die Laborversuche schon recht komplex und kämen nahe an die Tierversuche heran. Ein limitierender Faktor sei dabei, dass mit Zellkulturen meistens nur im eindimensionalen Bereich gearbeitet werden könne. Die Wechselwirkung zwischen Knochen und Knorpel sei zum Beispiel so ein Gebiet. Daher hätten sie am ARI einen Bioreaktor entwickelt, der den Versuch um den vorher fehlenden Belastungfaktor ergänzen könne. «Resultate aus diesen Experimenten können wir inzwischen auf den Organismus übertragen, weil wir genau wissen, welche Belastung für die Zelle gut ist.» Der nächste am ARI angestrebte Schritt sei nun die Entwicklung eines Versuchsaufbaus mit zusätzlich Gelenkflüssigkeit und Immunzellen, der eine Gelenkkapsel imitieren würde.