Das Verschwinden der Dunkelheit
Von Laura Natter
Es ist Nacht. Dunkel. Zumindest so dunkel, wie es in einer Quartierstrasse mit Strassen- und Gartenbeleuchtungen eben ist. Ein Scheinwerfer wirft helles Licht auf eine Einfahrt. Falter umkreisen es. Sie kreisen und kreisen und kreisen.
Es ist kein ungewöhnliches Bild. Jenes der Insekten, die in der Nacht um eine Lichtquelle schwirren. Licht ist allgegenwärtig. Es macht die Nacht zum Tag, oder zumindest die Nacht weniger dunkel. Licht gibt Sicherheit. Licht zeigt, was da ist.
Licht zerstört aber auch. Künstliches Licht in der Nacht verursacht Probleme. Es beeinflusst unser Ökosystem und uns Menschen. Lichtverschmutzung ist eine anerkannte Form der Umweltverschmutzung, da unser Umgang mit künstlichem Licht (negative) Auswirkungen auf alles Leben haben kann.
Als Lichtverschmutzung werden die künstliche Aufhellung des Nachthimmels und die störenden Auswirkungen auf Mensch und Natur bezeichnet. Natürlich ist nicht jede Lichtquelle, die in der Nacht leuchtet, verschmutzend. Als eine Belastung werden jene Beleuchtungen verstanden, die Licht nach oben oder seitlich abstrahlen, die permanent leuchten und kaltes Licht ausstrahlen. Das sind zum Beispiel Strassenlaternen, die keinen konzentrierten Lichtkegel auf die Strasse werfen, sondern die ganze Umgebung ausleuchten. Oder Lichtreklamen, die in die Nacht hinaus strahlen.
Der Scheinwerfer leuchtet noch immer. Die Falter kreisen noch immer.
Das Be- und Ausleuchten von Plätzen, Strassen, Parks, Gärten und Wegen wirkt sich auf Flora und Fauna aus. Schätzungen zufolge sterben in der Schweiz in jeder Sommernacht rund zehn Millionen nachtaktive Insekten wegen Aussenbeleuchtungen. Insekten, die sich am Licht des Mondes und der Sterne orientieren, sind irritiert ob dem künstlichen Licht, werden davon angezogen und schwirren um das Licht bis zum Erschöpfungstod. Der Rückgang an nachtaktiven Insekten hat wiederum Einfluss auf die Pflanzenwelt. Die Hälfte aller Insektenarten ist nachtaktiv und ein grosser Teil davon fungiert als Bestäuber. Reduziert sich der Bestand an Bestäubern, reduziert sich auch der Bestand an Pflanzen. Jedoch haben Lichtemissionen nicht nur einen indirekten Einfluss auf das Dasein von Pflanzen. Die Schweizer Ökologin Eva Knop konnte 2017 zusammen mit einem Team feststellen, dass Pflanzen, die in der Nacht künstlichem Licht ausgesetzt sind, von 64 Prozent weniger Bestäubern besucht werden. Und am Tag immerhin von 20 Prozent weniger. Die Gründe für letzteres Phänomen sind noch nicht vollständig geklärt. Möglicherweise wird der Zeitplan der Pflanze, der sich an der Tageslänge orientiert, durch das Kunstlicht beeinflusst. Das heisst, Pflanzen senden zu anderen Zeiten Duft- und Lockstoffe aus, welche die nötigen Bestäuber nicht erreichen. Dafür aber möglicherweise Schädlinge.