Das könnt Ihr tun, wenn Eure Bekannten an Verschwörungstheorien glauben
mit Marko Kovic sprach Simon Lechmann
Marko Kovic ist Politik- und Kommunikationswissenschaftler. Wir wollten von ihm wissen, warum Verschwörungstheorien zurzeit so im Trend sind und was man tun kann, wenn Freunde oder Verwandte einem plötzlich kuriose Videos weiterleiten.
Marko Kovic, zurzeit haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Warum sind diese gerade so attraktiv?
Marko Kovic: Die aktuelle Situation, die weltweite Pandemie, die Krise – das ist etwas Einmaliges. In solchen Situationen suchen die Leute Antworten. Eine Verschwörungstheorie ist eine einfache Erklärung, die klar sagt: «Die sind schuld», «Das ist kein Zufall». Solche Erklärungen vermitteln Sicherheit und ein Gefühl von Kontrolle.
Warum ist es für Menschen einfacher an eine solche Verschwörungstheorie zu glauben als die Pandemie einfach zu akzeptieren?
Das Stichwort heisst Ungewissheit. Eine Pandemie, die auftritt und zu einer Gefahr wird, ist intuitiv schwierig zu verarbeiten. Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass uns etwas passiert, aber es könnte halt trotzdem. Darüber kann der Mensch nicht gut nachdenken. Es ist viel einfacher, wenn wir jemandem ein solches Ereignis in die Schuhe schieben und sagen können, dass eine böswillige Absicht dahintersteckt.
Vielfach endet die Suche nach einem Schuldigen bei einer dunklen Macht. Das können Finanzsysteme, der Staat oder auch Minderheiten sein. Haben solche Verschwörungstheorien grundsätzlich die Motivation zu diskriminieren?