«Collegium 60plus»: Für ein Alter, das noch etwas vorhat
von Susanne Turra
Die Gretchenfrage gleich zu Beginn: Was leisten Seniorinnen und Senioren nach der Pensionierung noch für die Gesellschaft? Klar. Sie hüten Enkel. Sie reisen. Sie gehen mit dem Hund spazieren. Und sie machen den Garten. Das ist wundervoll und verdankenswert. Aber ist das wirklich schon alles? Wie sieht es mit dem gesellschaftlichen Engagement in Sachen Politik, Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur aus? Hier kommt «Innovage» ins Spiel. Ein gemeinnütziges Projekt, das 2006 schweizweit gegründet wurde. Mit einer klaren Idee: Einerseits suchen ältere Menschen zunehmend nach neuem Sinn in der nachberuflichen Lebensphase. Andererseits ist die Gesellschaft darauf angewiesen, von den Ressourcen dieser erfahrenen Generation zu profitieren. Gesagt, getan. Heute engagieren sich schweizweit über 160 pensionierte Führungs- und Fachkräfte honorarfrei in neun regionalen Netzwerken. Seit 2013 auch in Graubünden. Sie unterstützen gemeinnützige, nicht gewinnorientierte Projekte und Organisationen mit ihrem Erfahrungswissen.
Kompetenzen und Wissen einbringen
«In den neun Jahren seit der Gründung haben wir rund 40 gemeinnützige Projekte begleitet», betont Jakob Lerch kürzlich im Medienhaus in Chur. Der pensionierte Supervisor/Coach gehört zu den fünf Gründungsmitgliedern des Netzwerks in Graubünden. «Austausch und Weiterentwicklung. Das hat man im Berufsleben noch gehabt. Als pensionierte Person reduziert sich dieser Kreis oftmals auf Familie, Freunde und Bekannte», gibt derweil Christian Aeberli zu bedenken. Der pensionierte Pädagoge ist seit dem 1. März im Ruhestand und damit jüngstes Mitglied im Verein. Ganz wichtig bei «Innovage»: Der Verein ist beratend tätig. Die Mitglieder geben nur das Know-how weiter. Sie werden nicht operativ tätig. Die Auftraggeber müssen in der Lage sein, selber etwas zu bewegen. «Innovage» kann aber auch eigene Projekte auf die Beine stellen. «Collegium 60plus» ist eines davon. Bei diesem Projekt geht es nicht um Beratung, sondern um gemeinsames, selbstorganisiertes Lernen. Dabei gibt es nicht einfach ein fertiges Kursprogramm. Nicht nur ein Zuhören. Nicht nur ein Konsumieren. Dies im Unterschied zu den vielen, bereits bestehenden Angeboten. «Die Teilnehmenden sollen ihre Kompetenzen und ihr Wissen einbringen können und damit die Themen mitgestalten», erklärt Jakob Lerch. «Es ist ein Produkt von über 60-Jährigen für über 60-Jährige», ergänzt Christian Aeberli. «So können wir gemeinsam Zeit sinn- und lustvoll verbringen.»