Bündner Gletscher schmelzen weiter
144 Gletscher gibt es aktuell im Kanton Graubünden. Sie bedecken knapp 2,5 Prozent der ganzen Kantonsfläche. Und es werden immer weniger, sagt Glaziologe Felix Keller gegenüber Radio Südostschweiz. Er leitet das Zentrum für angewandte Glaziologie der Academia Engiadina und der Fachhochschule Graubünden. Die beiden Schulen betreiben das Zentrum gemeinsam.
Momentan seien es vor allem die kleinen Gletscher, die leiden würden, sagt Keller. «Der Lischanagletscher sieht dieses Jahr ganz erbärmlich aus. Früher war er ein stolzer Gletscher.» Die Lischanahütte sei vom Schmelzwasser abhängig. Gibt es irgendwann keines mehr, hat die Hütte keine Wasserversorgung mehr. Weltweit sieht es aber um einiges gravierender aus. Keller ist überrascht, dass man die Gletscherschmelze fast nicht zur Kenntnis nimmt. «Es gibt mehr als 220 Millionen Menschen auf der Welt, die vom Schmelzwasser der Gletscher abhängig sind.»
Für die Natur sind die Gletscher wichtige Wasserspeicher, die immer mehr verschwinden. Das zeigen auch die Zahlen vom schweizerischen Gletschermessnetz, das jedes Jahr die Länge und Dicke der Schweizer Gletscher misst. 15 davon liegen im Kanton Graubünden. Beim Morteratsch-Gletscher ist die Eisdicke allein in diesem Jahr um fünf Meter geschrumpft. Für Felix Keller zwar Grund zur Sorge, aber vor allem auch Motivation, etwas dagegen zu tun. Für ihn haben die Gletscher nämlich auch noch eine andere wichtige Funktion, eine Zeigerfunktion, eine Erinnerungsfunktion. «Unsere Kinder werden nicht fragen, ob wir den Gletscherrückzug nicht gesehen haben, sondern was wir gemacht haben, um ihn aufzuhalten.» (jas)