Als das WEF noch kurze Hosen trug
«In Brugg arbeitete ich Ende der Sechziger Jahre mit einer Hilde Stoll bei der ‹Confederation European de l'Agriculture› zusammen», erzählt sie. Dann hätten sich ihre Wege getrennt. Hilde Stoll nahm eine Stelle am «Centre d'Etude Industrielle» in Genf an, wo ein gewisser Professor Klaus Schwab tätig war. Defuns verblieb vorläufig in Brugg. Im Dezember 1970 erhielt sie dann einen Hilferuf der ehemaligen Arbeitskollegin. «Sie sei dabei, das Davoser Kongresshaus für ein ‹European Management Symposium› (EMS) vorzubereiten, und fragte, ob ich ihr dabei helfen könne», erzählt Defuns. Während eines Wochenendes habe ein Team, zu dem auch Klaus Schwab gehörte, das Kongresshaus eingerichtet und dabei im Hotel Pöstli logiert. An der ersten Durchführung war Defuns dann aber nicht mehr beteiligt. Vom 24. Januar bis 7. Februar 1971 kamen 450 Teilnehmer und 50 Referenten aus 31 Ländern zusammen, um über «die Herausforderungen der Zukunft» und «Unternehmensstrategien und -strukturen» zu diskutieren. Die Konferenz, die von Schwab auf eigene Rechnung organisiert worden war, generierte einen Gewinn von 25 000 Franken, die dieser unmittelbar im Anschluss in eine in Chur gegründete Stiftung «European Management Forum» investierte. Die Teilnehmer ihrerseits verlangten eine Fortsetzung des Symposiums, und vom 22. Januar bis 1. Februar 1972 fand das zweite EMS statt, zu dem wiederum nur geladene Gäste zugelassen waren.
Im Januar 1975, es nahmen inzwischen 860 Teilnehmer am Symposium teil, gab es bereits eine Zusammenarbeit mit der «United Nations Industrial Development Organization», deren Ziel die industrielle Förderung von Entwicklungs- und Schwellenländern war. Hier kam Marcellina Defuns wieder ins Spiel. Die Churerin war inzwischen mit ihrem Ehemann Marcus nach Davos gezogen und arbeitete in dessen Anwalts-und Notariatskanzlei. «Hilde Stoll, inzwischen Schwab und Mutter ihres ersten Kindes, rief mich erneut an und bat mich um Mithilfe.» Dieses Mal in ihrem Beruf als Übersetzerin allerdings. «Damals sprachen noch nicht alle fast selbstverständlich Englisch, und meine Dienste waren nur allzu willkommen», erzählt Defuns. So übersetzte die Sprachgewandte von Deutsch auf Französisch, von Italienisch auf Englisch und alles dazwischen. Bei allen Gelegenheiten. «Wir waren beim Essen am Abend dabei, genau so wie bei Spiel und Spass im Schnee. Da herrschte oft ein babylonisches Sprachgewirr.» Bei solchen Gelegenheiten seien auch immer wieder millionenschwere Verträge abgeschlossen worden, erinnert sie sich.