Bewegung – Geheimnis für ein langes Leben
Mia Menghini-Fopp wurde am 27. Oktober 1922 geboren. «Ich wuchs in der Villa Fopp in einer landwirtschaftlichen Familie mit Fuhrhalterei auf, deshalb hatten wir auch in den Krisenzeiten nach dem Ersten Weltkrieg immer genug zu essen», erzählt sie. Kein Wunder also, dass die Jubilarin bereits mit vier Jahren zum ersten Mal auf dem Rücken eines Pferdes sass. Damit sie aufsteigen konnte, wurde sie vom Vater auf einen Futtertrog gestellt und kletterte von dort auf den Sattel. Menghini kann sich noch gut erinnern, wie sie in ihren Kinder- und Jugendjahren auf der noch unasphaltierten Promenade reiten konnte. «Damals hatte es noch so gut wie keine Autos.» Sie wuchs mit zwei Schwestern und einem jüngeren Bruder auf. Die jüngste Schwester lebt ebenfalls noch und ist 90 Jahre alt. Reittechnisch wetteiferte die 100-Jährige mit ihrem Bruder, der bei bei den Dragonern eine ausgezeichnete Reitausbildung genoss. Sie übte während Reitausflügen, über natürliche Hindernisse zu springen. Damit habe sie ihren Bruder verblüffen können, erzählt die Jubilarin mit einem Lächeln und ergänzt: «Ehrgeizig war ich schon immer».
Jugend in «Klein Berlin»
Mit 15 Jahren musste Mia Menghini nach Sondrio ins Veltlin, um eine kaufmännische, italienische Schule zu besuchen. Doch schon nach drei Monaten Aufenthalt musste sie wegen des sich abzeichnenden Zweiten Weltkriegs wieder nach Davos zurückkehren. Der Vater hatte zwar Geld für die Benutzung der Bahn geschickt, doch wollte sie dieses nicht ausgeben und wanderte kurzerhand innerhalb von drei Tagen nach Hause. Sie habe immer sparsam und bescheiden gelebt, meint sie: «Wir lernten gar nie, Geld auszugeben». Zurück in Davos, absolvierte sie die Handelsschule und arbeitete dann im Hotel Central. «Wir servierten den deutschen Reichsbürgern Essen, ohne dass andere etwas davon wussten. Und für die Schweizer gab es Mahlzeiten gegen Essenscoupons. Wegen der anwesenden Hitlerjugend bezeichnete man Davos damals auch als Klein Berlin.»