«Beim Felssturz am Ortstock spielt Permafrost eine Rolle»
Letzten Samstag ist vom Ortstock, dem Postkartenberg Braunwalds, ein grösseres Felspaket heruntergestürzt. Dessen Volumen entspricht einem Würfel von etwa 24,7 Meter Länge. Der Berg und die betroffene Nordflanke liegen auf Gebiet von Muotathal im Kanton Schwyz. Erst das Auslaufgebiet des Felssturzes liegt auf Glarner Boden.
Förster Ruedi Stüssi von der Gemeinde Glarus Süd und Geologe Lukas Inderbitzin, Leiter Naturgefahren beim Schwyzer Amt für Wald und Natur, haben das Gebiet seit dem Felssturz mehrere Male begutachtet, zuletzt gestern.
Herr Inderbitzin, was haben Sie beim Flug zum Ortstock und bei der Besichtigung des Felssturzgebietes festgestellt?
Lukas Inderbitzin: An der Nordflanke des Ortstocks gibt es eine klar sichtbare Absturzstelle auf einer Höhe von rund 2500 Metern. Hier ist ein ganzes Felspaket herausgebrochen. Unmittelbar bergseits der Ausbruchnische sind weitere Felsinstabilitäten zu beobachten. Die gleichen Bruchsysteme und Schichtgrenzen, die das Ereignis vom 8. August erst ermöglichten, setzen sich in diesen Bereich fort.
Wie entwickelt sich die Gefahr weiter, die nun zu einem ersten Absturz geführt hat?
Wir müssen damit rechnen, dass weitere Portionen ausbrechen. Vorab sind rund 5000 Kubikmeter instabil und könnten in absehbarer Zeit abstürzen. Das kann heute passieren oder auch noch ein paar Jahre dauern.
Wie viel Fels ist heruntergekommen und wie weit sind die Steine gerollt?
Die rund 15 000 Kubikmeter Fels sind 500 bis 600 Meter durch die steile Nordwand in ein etwas flacheres Gebiet hinuntergestürzt. Ein Teil der Blöcke stürzte dann noch eine Steilstufe weiter hinunter bis Bergeten. Wir haben aber keine Blöcke beobachtet, die bis zum Wanderweg gerollt sind.
Gibt es gefährdete Wege oder Gebiete, die gesperrt werden müssen?