Ausbruch von Affenpocken
Während die Covid-Pandemie in einigen Teilen der Welt immer noch wütet, ist ein globaler Ausbruch von Affenpocken als zusätzliche Bedrohung der öffentlichen Gesundheit aufgetreten. Im Mai wurden in zahlreichen Ländern mehr als 340 Fälle bestätigt oder vermutet. Affenpocken sind eine Zoonose – sprich der Erreger kann von einem tierischen Wirt auf den Menschen überspringen. Er gehört zu den Orthopoxviren, zu denen alle Pockenviren gehören, darunter auch der Erreger von Variola oder Blattern. Diese lebensbedrohliche Krankheit ist seit 1979 weltweit ausgerottet.
Verbreitet im Kongobecken
Das Affenpockenvirus wurde zum ersten Mal 1958 bei Affen nachgewiesen, jedoch wurden Nagetiere als Hauptvirusreservoir identifiziert. Die dadurch ausgelöste Krankheit wurde 1970 beim Menschen erstmals in der Demokratischen Republik Kongo diagnostiziert. Dort gilt sie als endemisch, will heissen, sie kommt in der lokalen Population vor. Doch bis zum 29. Mai meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 200 im Labor bestätigte Fälle ausserhalb dieser Länder, und weitere Verdachtsfälle werden derzeit untersucht. Die meisten Infektionen werden aus dem Vereinigten Königreich, Spanien und Portugal gemeldet, gefolgt von Australien, Belgien, den USA, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Schweden. Bei den derzeit bestätigten Fällen handelt es sich hauptsächlich um Männer, die Sex mit Männern haben. Die Übertragung des Affenpockenvirus kann aber auch über Atemwegssekrete erfolgen. Das heisst durch Tröpfcheninfektion bei engem Kontakt von Mensch zu Mensch. Eine weitere Infektionsquelle ist direkter Kontakt bei Verletzungen der Schleimhäute. Die Inkubationszeit liegt schätzungsweise zwischen 5 und 21 Tagen. Zu den Symptomen können Fieber, Unwohlsein, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und eine Schwellung der Lymphknoten gehören. Der Ausschlag ähnelt dem der Blattern und dauert vom Auftreten bis zur Abschuppung zwischen 14 und 28 Tagen. Der Ausschlag der Affenpocken hat einen Durchmesser von 0,2 bis 1 Zentimeter und tritt häufig zuerst im Gesicht auf. Er kann sich dann aber zentrifugal über den ganzen Körper ausbreiten. Wie bei der Variola sind Pockenausschläge an Handflächen und Fusssohlen sehr häufig.
Abschaffung der Pockenimpfung
Obwohl die Pocken selbstlimitierend sind und die Übertragungsrate gering ist – sie erfolgt nur durch engen Kontakt zwischen Personen – hat der derzeitige internationale Ausbruch mit einer ungewöhnlich hohen Zahl von Fällen die internationalen Gesundheitsbehörden alarmiert. Es ist bekannt, dass der Pockenimpfstoff mit einer Wirksamkeit von 85 Prozent vor dem Affenpockenvirus schützt. Daher wird vermutet, dass die Einstellung der Pockenimpfung nach der Ausrottung von Variola eine der möglichen Ursachen für den Anstieg der Fälle in Afrika und für die Ausbrüche ausserhalb dieses Kontinents ursächlich ist. Als weitere mögliche Faktoren gelten die Abholzung der Wälder, die Klimaveränderung oder der demografische Wandel. Dieser begünstigt den verstärkten Kontakt zwischen Menschen und Tieren, die als Reservoir für das Affenpockenvirus fungieren.
Doch auch eine genetische Evolution des Affenpockenvirus könnte ein ursächlicher Mechanismus sein. Mit mehr als 200 000 Basen ist das Genom des Affenpockenvirus sieben Mal grösser als jenes von SARS-CoV-2. So wurde die Frage gestellt, ob es eine Mutation im Virus gibt, die den aktuellen Ausbruch verursacht. Daher wird das Virus weltweit so weit wie möglich und überall dort, wo es isoliert wird, sequenziert. Bisher gibt es keine Hinweise auf eine grössere Mutation, die ein Grund für die jüngste Ausbreitung sein könnte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir es derzeit mit dem grössten Ausbruch von Affenpocken ausserhalb Afrikas zu tun haben, da die Weltbevölkerung durch die 1980 abgeschaffte Pockenimpfung nur noch teilweise geschützt ist. Obwohl die Affenpocken selbstlimitierend sind und keine schwerwiegende Erkrankung verursachen, veranlasst der derzeitige internationale Ausbruch die Gesundheitsbehörden dazu, sich mit den künftigen Entwicklungen zu befassen und darüber nachzudenken.