Von den Besten lernen
Musikalisch umrahmt von einem exzellent aufspielenden musikalischen Trio zelebrierten die letzte Woche angereisten Allgemeinmediziner bei einem Galadiner das «Ärzteforum». Dabei reihte sich Philipp Wilhelm ein in eine lange Reihe von Landammännern, die über die Jahre die Kursteilnehmenden begrüsst hatten. In einer Zeit, die sich als permanente Krisenbewältigung anfühle, biete sich Davos ideal an für eine Auszeit und einen Rückzug, liess er die Allgemeinpraktiker wissen. In diesem Fall dient der Abstand zu den täglichen Herausforderungen allerdings dazu, sich neues Wissen anzueignen, fast vergessenes aufzufrischen und in Kontakt mit dem Fortschritt zu bleiben.
«Walters Fälle»
Hervorgegangen ist das Ärzteforum aus dem jährlichen Kongress der deutschen Bundesärztekammer, der 1953 zum ersten Mal in Davos durchgeführt wurde. «Eigentlich dürfen wir auf 70 Jahre erfolgreiche Ärztefortbildung in Davos zurückblicken», sagte der emeritierte Professor Walter Reinhart denn auch. Zusammen mit seinem Kollegen Wilhelm Vetter hatte er viele Jahre die wissenschaftliche Leitung des «Ärzteforums» inne, bevor sie vom Duo Thomas Fehr, Kantonsspital Chur, und Johann Steurer, Unispital Zürich, abgelöst wurden. In einem Rückblick erinnerte Reinhart an besondere Momente der Tagung der Bundesärztekammer, die zu besten Zeiten bis zu 4000 Mediziner mit ihren Familien nach Davos gebracht hatte. 1993 war dann Schluss, und im darauf folgenden Jahr übernahm nahtlos das «Ärzteforum». Etwas kleiner zwar, aber nicht minder ambitioniert. Den Praktikern sollen aktuelle und praxisrelevante Themen– hautpsächlich aus dem Bereich der inneren Medizin – auf wissenschaftlich hohem Niveau geboten werden. Fallbeispiele runden das Ausbildungsangebot ab. Um solche ging es auch bei «Walters Fälle», die über viele Jahre eine Attraktion am «Ärzteforum» waren. Humor war eines der Markenzeichen dieser Veranstaltung, bei der gemeinsam eine Diagnose besonders kniffliger Fälle erarbeitet wurde. «Beruhigend an diesen Veranstaltungen war die Erkenntnis, dass alle anderen auch nur mit Wasser kochen», resümierte Reinhart. Er erinnerte sich auch an die deutsche Ärztin, die im Alter von 90 Jahren noch zur Fortbildung erschien und dabei die Referenten mit gezielten Fragen löcherte. Nachdem wegen der Corona-Pandemie das «Ärzteforum» zweimal habe virtuell durchgeführt werden müssen, sei es dieses Jahr in der ursprünglichen Form wiederauferstanden. «Die physische Präsenz ist wichtig. Das entdecken wir gerade wieder», schloss Reinhart.