Auftreten und austauschen
Von Riccarda Hartmann
Das Klopfen hallt im Inneren des alten Hauses wieder. Am Gemäuer oberhalb des Türbogens hängt die Hausnummer 14. Rechts eine schmale, gelbe Tafel mit der schwarzen Aufschrift Klibühni. Jann Clavadetscher, der neue CO-Leiter des Theaters, öffnet die alte, leicht knarrende Holztür. Er führt über einen roten Teppich und steinerne Stufen hinein in einen kleinen, von der Herbstsonne beschienenen Innenhof. «Wir freuen uns sehr. Es ist wirklich ein spezielles Haus», sagt Jann Clavadetscher. Es ist dieses Mal nicht die Sonne, die sein Gesicht aufleuchten lässt.
Dienstagnachmittag. Zwei Wochen vor der Eröffnung der Klibühni in Chur. Vom Innenhof, wo im Sommer die Höflibeiz sein wird, geht es rechts in einen Raum. Bis auf ein paar Stühle und Tische, die an den Rand geschoben worden sind, und einer Bar auf der linken Seite, ist die Stube leer. In der Ecke gegenüber der Bar ist mit Klebeband ein Bereich auf dem Boden markiert. Hier soll eine kleine Bühne hinkommen. Ein Podest, auf dem später Lesungen stattfinden können oder wenn nichts los ist, zum Sitzen genutzt werden kann.
Jann Clavadetscher blickt im Raum umher – vermutlich mit einem anderen Bild vor dem inneren Auge. «Die Bar und der Raum selbst sollen anders gestaltet werden. Wir wollen mit Licht arbeiten. Es soll auch farbiger werden. Andere Möbel sollen hinein.» Gleichzeitig soll aber auch der Denkmalschutz respektiert werden. Es soll ein Raum werden, in den man nach einem Event hinuntergeht und sich dort austauscht.
Voneinander lernen
Austausch ist den beiden neuen Leitenden Ursina Trautmann und Jann Clavadetscher besonders wichtig. Nicht nur der Austausch nach einem Event. «Jemand mit wenig Erfahrung kann bei uns mit Leuten zusammenkommen, die viel Erfahrung haben», meint Ursina Trautmann. Dieser Austausch ist den beiden ebenfalls wichtig. So kann voneinander gelernt werden. Wie andere arbeiten und was es alles für eine Produktion braucht. Alle Theaterberufe, die involviert sind. Schauspielerei. Regie. Maskenbild, Bühnenbild und Kostümbild.
Weiter hinauf zum Laubengang. Sattgrüne Pflanzen ranken sich am Geländer entlang. Die weissen Wände heben sich vom dunklen Holz des knarrenden Bodens ab und blenden durch die Sonnenstrahlen. Es geht in die Zunftstube hinein. Die Stühle sind zur Bühne gerichtet. Der schwarze Bühnenboden ist frei – bereit für die künftigen Aufführungen.
An der Eröffnung soll eine Woche lang ein breiter Fächer gezeigt werden, von dem, was alles möglich ist. Theater, Tanz, Musik, Workshops. Die beiden Leitenden möchten Bereiche zusammenbringen. Wie Bühnenkunst und Bildende Kunst. Wie Performances und Kino. Am Langen Samstag wird in der Klibühni ein Stummfilmmarathon stattfinden. Über den ganzen Tag in fünf Etappen.
Sich selbst erproben
Um einen Raum zu füllen, braucht es in der Klibühni nicht 200 Leute, sondern 70. Das sei gut, um sich selbst zu erproben. So ist man dem Publikum sehr nahe und ist somit auch gut zu sehen. Nach einem Auftritt können die Schauspielerinnen und Schauspieler vom Publikum direkt Rückmeldungen erhalten. Zwischen den Zuschauenden und den Bühnenkünstlerinnen und Bühnenkünstler kann so – und da haben wir ihn wieder – ein Austausch stattfinden.
Über eine steile Treppe aus Neuholz gelangt man zu dem Ort, wo Büro und Requisiten aufeinandertreffen. «Wir wollen so viel wie möglich im Haus selber machen.» So können Ursina Trautmann und Jann Clavadetscher die Künstlerinnen und Künstler vor Ort treffen und planen. Das gäbe eine gute Energie und ja, einen Austausch, so Jann Clavadetscher. Die letzten Monate hätten die Treffen in Cafés stattgefunden, doch die Ideen waren abstrakt. Anders als es vor Ort sei.
Wir sind ein Haus für Newcomers.»Ursina Trautmann
«Wir sind ein Haus für Newcomers», sagt Ursina Trautmann. «Für viele war die Klibühni der Ort, an dem sie ihren ersten Auftritt hatten und das wollen wir weiterhin haben.» Auch Ursina Trautmann hat ihre ersten zwei Theaterstücke in der Klibühne schreiben können. Die neue Leiterin, mit dem Hintergrund Journalismus, hätte schon immer eine Leidenschaft für das Theater gehabt, erzählt sie. Und so konnte sie das Schreiben und das Theater verbinden. Damals in der Klibühni habe sie viel gelernt. Darüber, wie Texte für das Theater geschrieben werden, über das dramaturgische Denken und wie einem bewusst sein muss, was Darsteller und Darstellerinnen wissen wollen, wenn sie Figuren entwickeln.
Und das möchte sie mit der Klibühni sein. «Ein Ort, wo man sich ausprobieren kann, lernen kann und sich weiterentwickeln kann. Das möchte ich anderen weitergeben können in der Funktion der Leitung», schliesst Ursina Trautmann. Die Stimme entschlossen. Jann Clavadetscher nickt.
Nach diesem Austausch geht es über den roten Teppich wieder hinaus. Hinaus aus der Theaterwelt.
Von Dienstag, 25. November, bis Samstag, 29. November, ist Open House in der Klibühni. Weitere Informationen: www.klibuehni.ch