Schiedsrichter müssen in hektischen Situationen die Ruhe bewahren
von Riccarda Hartmann
Sie stechen heraus. Eigentlich. Mit ihren neonfarbenen T-Shirts. Andersfarbig als die restlichen 22 Personen auf dem Fussballfeld. Doch während dem Spiel sieht man sie nicht, auch wenn sie da sind und eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Den Schiedsrichter respektive die Schiedsrichterin beachtet man eigentlich erst, wenn eine Entscheidung getroffen wird, die einem nicht gefällt. Daniel Wijngaard studiert Business Innovation im Master und pfeift am Wochenende Spiele in der dritten Liga.
Herr Wijngaard, angenommen Sie stehen gerade auf dem Spielfeld kurz vor dem Anpfiff. Was geht Ihnen durch den Kopf?
Daniel Wijngaard: Beim Anpfiff ist es hauptsächlich Freude. Die Vorfreude auf das Spiel. Gedanken und Hoffnungen, dass alles gut läuft. Dass es ein gutes Spiel wird, ohne irgendwelche Vorfälle, die man im Fussball lieber nicht sieht.
Haben Sie so etwas wie ein Ritual?
Ein wirkliches Ritual habe ich nicht. Bei mir hat sich ein bisschen eingebürgert, dass ich immer vor dem Match eine halbe Banane esse und in der Pause die andere Hälfte. Das ist eigentlich das Einzige, was bei mir routinemässig jedes Mal gleich ist (lacht). Die halbe Banane hat sich ergeben, weil ich nicht zu viel essen möchte vor einem Match, aber auch nicht zu wenig. Das Ziel ist, dass ich die Halbzeit durchkomme. Nach dem Match kann ich dann mehr essen.
Wie sind Sie dazugekommen, Schiedsrichter zu werden?
Bei mir ist es nicht so wie bei vielen anderen, die früher schon Fussball gespielt haben. Ich habe nur in der Freizeit ein bisschen Fussball gespielt, nie in einem Verein. Nach einem Weilchen habe ich doch das Gefühl gehabt, dass ich mehr mit Fussball zu tun haben möchte. Es gab dann eigentlich verschiedene Optionen. Einerseits Spieler, Trainer oder eben Schiedsrichter. Weil ich in St. Gallen studiere und trotzdem auch gerne in Graubünden bin, wo mein Zuhause ist, sind die ersten beiden – Trainer und Fussballspieler – dann schnell weggefallen. Als Schiedsrichter bin ich eigentlich relativ flexibel. Ich kann mein Training dort machen, wo ich gerade bin. Durch die Spiele bin ich im ganzen Verbandsgebiet unterwegs. Also auch im Bündnerland. Schiedsrichter ist die naheliegendste Option für mich gewesen. Und schlussendlich auch die richtige Wahl. Mit dem Studium ist es gut vereinbar, weil ich mein Training selbst bestimmen kann. An den Wochenenden habe ich meine Matches.