Zum Hauptinhalt springen
Leben und Freizeit

«Auch neue Karten sind mal alt»

Alois Beretta schwärmt als Uzner für alte Ansichtskarten seines Städtchens. Seine Sammlung dokumentiert die Entwicklung von Uznach während der letzten 130 Jahre. Und fast zu jedem Sujet kann er eine persönliche Erinnerung erzählen.
Jérôme Stern
30.07.2017, 07:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Alois Beretta, sammeln Sie ausschliesslich Ansichtskarten von Uznach?

Jein. Ich sammle Karten aus dem ehemaligen Seebezirk und Gaster. Aber hauptsächlich interessiere ich mich für Postkarten von Uznach.

Haben Sie in Ihrer Sammlung ein Prunkstück?

Für mich ist jede einzelne Karte, ob alt oder neu, ein spezielles Stück mit Sammlerwert. Ich habe Karten mit Bildern vom Hochwasser 1910 und solche mit Flugaufnahmen. Die Flugaufnahmen stammen aus den 1920-Jahren und sind echte Seltenheiten.

Haben Sie auch Karten, die mit persönlichen Kindheitserinnerungen verbunden sind?

Natürlich. Eine Karte zeigt zum Beispiel den Glockenaufzug bei der neuen Stadtkirche. Damals war ich auch dabei. Die Leute, die daran gearbeitet hatten, kannte ich persönlich. Eine andere Karte von 1908 zeigt eine Baustelle mit meinem Vater. Für mich sind alle Karten mit Erinnerungen verbunden.

Wie viele Karten von Uznach besitzen Sie?

Etwa 500. Wobei ich sie nach Sujets sortiert habe – solche mit Häusern oder mit Personen beispielsweise.

Was fasziniert Sie an den alten Ansichtskarten?

Ich fühle mich halt mit dem Städtchen sehr verbunden, obwohl ich italienische Wurzeln habe. Mein Grossvater kam mit dem Bau der Gotthardbahn 1870 in die Schweiz.

Kann man Ihre Ansichtskarten besichtigen?

Zurzeit zeigt das Museum Uznach eine Sonderausstellung zu den alten Uzner Wirtschaften mit meinen Karten.

Wie hat Ihre Leidenschaft begonnen?

Ein anderer Ansichtskartensammler hat mich inspiriert, das war vor 40 Jahren. Damals bezahlte man für die ältesten Karten über 100 Franken.

Wo haben Sie die Karten erstanden?

Ich ging früher an jede Sammlerbörse und an jeden Flohmarkt in Zürich.

Findet man solche Karten heute noch an Flohmärkten?

Schon. Die Preise sind heutzutage total runtergekommen, da auch die Nachfrage viel geringer ist. Früher habe ich mit Sammlerkollegen Karten getauscht – aber die werden je länger, je seltener.

Sammeln Sie auch neue Karten von Uznach?

Auch die neuen Karten muss man für spätere Generationen erhalten, denn auch die werden mal alt. Allerdings besuche ich keine Sammlerbörsen mehr und gehe auch nicht zum Kiosk für neue Karten.

Was soll mit der Sammlung dereinst geschehen?

Ich hoffe, meine Söhne werden sie weiterpflegen. Mein Sohn Marco ist Vizepräsident der Ortsgemeinde und initiierte ja bekanntlich die jetzige Ausstellung im Uzner Museum.

Vom Maurer zum Gebäudeschätzer
Alois Beretta wurde 1932 in Uznach geboren. Er lernte Maurer, wurde Polier und anschliessend Bauführer. 24 Jahre lang arbeitete er in der selben Firma. In den 70er-Jahren machte er sich als Kalkulator und Feuerschutzexperte selbstständig. Zuletzt amtete er für die Gemeinde Kaltbrunn als Gebäudeschätzer. Alois Beretta ist seit 60 Jahren verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit seiner Frau in Uznach.

«Auch neue Karten sind mal alt» | Südostschweiz