Von Verdingbuben und liederlichen Mädchen
Besuche im Heimatmuseum sind inzwischen eine von der Davoser Lehrerschaft gern genutzte Alternative zum normalen Schulalltag. An Ausstellungen wie «vom Korn zum Brot» oder «vom Schaf zur Wolle» hatten Schulklassen sogar mitgearbeitet, und heute stehen dazu im Heimatmuseum stufenspezifische Führungen zur Verfügung.
Seit der Eröffnung der gegenwärtigen Sonderausstellung, die sich den fürsorgerischen Zwangsmassnahmen im Kanton Graubünden widmet, besuchten bereits dreizehn Klassen das Heimatmuseum, und für das Wintersemester sind viele weitere angemeldet. Doch auch für Klassen von ausserhalb von Davos hat es noch Platz. «Da es sich um ein grundsätzlich belastendes Thema handelt, legen wir grossen Wert darauf, die Kinder auf einer ihrer Entwicklung entsprechenden Stufe abzuholen», sagt Helene Elmer, Leiterin von «Schule und Museum». Abgedeckt werden damit die im Lehrplan 21 vorgesehenen Themen Vorurteil, Entmündigung und Ausgrenzung.
Die Oberstufenschüler und Schülerinnen erleben die Ausstellung auf der Erwachsenenebene und werden mit Geschichten konfrontiert, wie sie die Betroffenen in den jeweiligen Kartonzellen erzählen. Das sind Berichte von Menschen, die das von der Gesellschaft und Politik bis in die 1980er-Jahre systematisch begangene Unrecht noch am eigenen Leibe erfahren hatten. Die anschliessenden Präsentationen und Diskussionen zeigen, wie beeindruckt die Jugendlichen von diesem traurigen Kapitel der Schweizer Geschichte sind.