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Leben & Freizeit

Als sie geboren wurde, tobte der Erste Weltkrieg

Südostschweiz
23.09.2020, 04:30 Uhr
heute um 16:30 Uhr

Man muss das Foto zweimal anschauen. Kann das wirklich sein, dass diese Frau schon so alt ist? Maria Steuble feierte gestern im Tertianum Wismetpark in Weesen ihren 104. Geburtstag, wo sie vom Personal liebevoll umsorgt wird. Mit 104 Jahren ist sie eine der ältesten Bewohnerinnen der Region.

Wie sie so dasitzt in der Cafeteria, schön zurechtgemacht, mit der Schweizer Fahne am Rollstuhl, den Milchkaffee vor sich und fröhlich lacht – man würde sie glatt 20 Jahre jünger schätzen. Nur um dann zu merken: Auch mit 84 wäre sie in einem gesegneten Alter. Vielleicht liegt es am Schalk, der bei Maria Steuble immer wieder aufblitzt. Vielleicht hält der jung.

Im Glarnerland gearbeitet

Maria Steuble ist im Jahr 1916 geboren, «in der Nähe von Amriswil im Turgi», sagt sie – und man hört den Thurgauer Dialekt noch gut heraus. Damals tobte in Europa der Erste Weltkrieg. Und als Maria Steuble noch ein Kleinkind war, grassierte auf der Welt die Spanische Grippe.

Heute, über 100 Jahre später, sorgt wieder ein Virus für Einschränkungen. Und das wirkt sich auch auf das Gespräch mit Maria Steuble aus. Inzwischen fällt ihr das Hören doch schwer. Oder wie sie so unnachahmlich sagt: «Man bekommt nicht nur im Alter, man muss auch hergeben.»

Deshalb müsste sie sich an den Lippen des Gastes orientieren können, um das Gesagte zu verstehen. Doch die Lippen sind durch die Maske verdeckt. Das Gehör mag nicht mehr so mit 104 Jahren.

Doch dann deutet Maria Steuble auf ihren Mund und lacht verschmitzt. «Aber das», sagt sie, «aber das funktioniert noch gut.» Das würden auch die anderen sagen. Man glaubts ihr aufs Wort.

Maria Steuble hat als Schneiderin in einer Trikotfabrik im Glarnerland gearbeitet, am Walensee hat sie ein Haus gebaut und über 40 Jahre darin gewohnt. Und weil das im Fli war, das bei Weesen liegt, aber zu Amden gehört, sagt sie in ihrer ureigenen Art: «Wissen Sie, wir sind heruntergekommene Ammler.»

Wahrscheinlich liegt es wirklich am Schalk, dass man ihr die 104 Jahre nicht gibt.

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