Als im Engadin die Bomben fielen
Als am 1. Oktober 1943 amerikanische Bomber über Samedan flogen und zwölf Bomben abwarfen, war Silvia Pfister gerade acht Jahre alt. Das Mädchen sollte im Dorf Einkäufe erledigen, als kurz vor Mittag die erste Bombe einschlug. «Als ich den Laden verliess, war der Boden übersät von Scherben. Ich war durch den Druck der Explosion hingefallen und hatte mich am Arm und Knie verletzt. Dann bin ich wieder aufgestanden und weitergelaufen.» Eine Gemüsehändlerin habe sie daraufhin in ihr Geschäft gezogen, erinnert sich Pfister. «Komm herein Mädchen, du bist verletzt!»
Noch während Silvias Wunden durch einen Arzt behandelt wurden, wurde ein weiterer Fliegeralarm ausgelöst. Mitten in der Behandlung musste sie wieder in den Keller rennen. Elf weitere Bomben sollten folgen.
Klima der Angst
Die folgenden Tage waren von Angst und Verunsicherung geprägt. «Wir wussten nicht, ob es vorbei war oder ob noch etwas nachkommen würde.» Dennoch spricht Pfister von einem Riesenglück, das sie, ihre Familie und die gesamte Bevölkerung Samedans gehabt hätten. Niemand im Dorf wurde bei den Bombardierungen getötet, es entstand blosser Sachschaden. Dies ist auch einer Reihe glücklicher Zufälle geschuldet:
Gemäss Pfister nahmen die Soldaten der Schweizer Armee ihr Mittagessen für gewöhnlich auf dem Plantaplatz mitten im Dorf ein – ebendort, wo die erste Bombe detonierte. Aufgrund der schlechten Wetterbedingungen an jenem Freitag wich man jedoch in die Dorfbeiz aus. Ein lebensrettender Entscheid, wie sich Augenblicke später herausstellen sollte.
TV Südostschweiz hat mit Silvia Pfister über den Bombenabwurf vor 77 Jahren gesprochen: