Als die Flimser den Elmern die Sonne stahlen
Geschichtenerzählerin Anni Brühwiler winkt ab: «Das ist für einmal keine Sage. Das ist die Wahrheit.» Als wäre es erst gestern gewesen, erinnert sich die Elmerin an jenen Tag, als Lausbuben aus Flims den Elmern die Sonne stehlen wollten. Just an dem Tag, an dem ihr Strahlenlicht durchs weltberühmte Martinsloch auf den Kirchturm hätte scheinen sollen.
«Schöner hätte sich das Wetter an diesem 1. Oktober 1989 nicht mehr zeigen können», erzählt Anni Brühwiler. «Es war ein klarer Herbsttag – mit gefärbten Wäldern, angeschneiten Gipfeln und einem blauen Himmel.» Dementsprechend gross sei auch der Aufmarsch der Schaulustigen gewesen.
Im Martinsloch blieb es nach Ablauf des Countdowns dunkel
Um 9.33 Uhr hätte es so weit sein sollen. War es aber nicht. Nach Ablauf des Countdowns blieb es im 17 Meter hohen und 19 Meter breiten Martinsloch dunkel. «Da konnte doch etwas nicht stimmen», dachte sich Brühwiler. Der Blick durchs Fernglas bestätigte ihre Vermutung: Im natürlichen Felsentor flatterte etwas ganz und gar Unnatürliches. Aber was? In der Folge machte sich der Elmer Hans Rhyner auf den Weg, dies herauszufinden.
«Auf der Dorfumfahrung entdeckte ich ein erstes verdächtiges Fahrzeug. Es entpuppte sich als dasjenige einer Filmequipe, die sich wunderte, dass das Naturschauspiel nicht stattgefunden hat», erzählt Rhyner. «Die Crew versicherte mir dann aber glaubhaft, dass sie mit dem Ausfall des Ereignisses nichts, aber auch gar nichts zu tun habe. Vielmehr hätten sie ein paar Sequenzen für den Vorspann zum 1991 erscheinenden Anna-Göldi-Film drehen wollen.» Also ermittelte Hans Rhyner weiter.