Allergien: ein Thema, das viele Fragen aufwirft
pd | Allergien gehören weltweit zu den häufigsten und am frühesten im Lebensverlauf auftretenden chronischen Erkrankungen. Im Jahr 2050 sind bis zu 50 Prozent mehr Erkrankte zu erwarten. Wegen dieser ungebremsten Zunahme der allergischen Erkrankungen wurden anlässlich des 4. Global Allergy Forum (GAF) in Davos aktuelle Herausforderungen, Behandlungsmöglichkeiten und vor allem Präventionsmassnahmen in Bezug auf Allergien diskutiert und zusammengetragen. Das dreitägige Arbeitstreffen wurde vom Christine Kühne-Center for Allergy Research and Education (CK-CARE) auf dem Medizincampus Davos organisiert. Nach den Gruppenarbeiten und der abschliessenden kritischen Diskussion im Plenum können die folgenden Kernaussagen zusammengefasst werden.
Umweltveränderungen als treibende Kraft
Die Zunahme allergischer Erkrankungen ist neben genetischen Empfänglichkeiten vor allem auf Umweltfaktoren zurückzuführen. Klimawandel und Industrialisierung lassen die Umwelt insgesamt «allergener» werden. Temperaturanstieg, Trockenheit oder Feuchtigkeit und Umweltverschmutzung führen zu einer höheren Belastung durch Pollen und Schimmelpilze. Neue Allergene durch gebietsfremde Arten werden eingeschleppt (Neophyten wie zum Beispiel Ambrosia). Auch die Landbevölkerung lebt zunehmend urbanisiert und ist somit mehr allergiegefährdet, weil schützende Faktoren wegfallen. Mit zunehmenden regulatorischen Anforderungen an Hygiene und der industriellen Verarbeitung von Lebensmitteln geht der vor Allergien schützende «Bauernhof-Effekt» verloren.
Neurodermitis als Einfallstor
Die Neurodermitis ist eine komplexe chronische Hauterkrankung, die eine hohe Belastung darstellt. Sie ist meist aber nur Ausgangspunkt für weitere allergische Erkrankungen – der Start für den sogenannten «atopischen Marsch», der von einer wesentlichen Abweichung der Immunantwort in vielen Organsystemen, insbesondere Grenzflächen wie Haut, Lunge und Darm, begleitet wird. Neuere Erkenntnisse belegen die entscheidende Rolle des Mikrobioms, also der Summe der Mikroorganismen in und am Menschen, und der Ernährung bei dieser Abweichung des Immunsystems. Veränderungen der Umwelt und des Lebensstils stellen die Anpassungsfähigkeit der Haut infrage.