100 Franken für den Friseurbesuch
«Wir denken an diesem Internationalen Tag der Frau besonders auch an die starken Frauen, die sich aktuell in einem Kriegsgebiet befinden», eröffnete Gastgeberin Marietta Zürcher den Abend im Waldhotel Davos. Jeweils zum Weltfrauentag am 8. März organisieren die im Raum Davos/Klosters tätigen Frauenorganisationen einen gemeinsamen Anlass. Die Einladung an die Moderatorin Sonja Hasler war schon vor bald zwei Jahren ausgesprochen worden. Jetzt endlich durfte der Anlass durchgeführt werden, und die Frauen kamen in grosser Zahl.
Aufgewachsen sei sie im Emmental, wo der Anziehungspunkt für alle der Skilift gewesen sei, eröffnete Hasler ihre Erinnerungen. «Zur Skirennfahrerin reichte es nicht, zur Skilehrerin hingegen schon.» Dieser Tätigkeit gehe sie noch heute gerne nach. «In meinem kopflastigen Beruf erdet es, wenn man sich eine Zeit lang mit Dingen wie ungeputzten Nasen, Begleitung beim Toilettenbesuch oder dem Anziehen der Skischuhe beschäftigt.» Über die journalistische Tätigkeit bei verschiedenen Printmedien sei sie beim Radio «extraBERN» und später auf der Sportredaktion des Schweizer Radios DRS gelandet. «Mit dem Einstieg in politische Themen begegneten mir die ersten Hassbriefe», berichtete Hasler von den Schattenseiten ihres Berufs. Zu Beginn habe sie noch alle Post lesen wollen, irgendwann wurde die Belastung aber zu gross, und sie habe sich wie die anderen auch abschirmen lassen. Mit dem Wechsel in die Sendung «Rundschau» sei auch ihr Äusseres zum Thema geworden: «Einmal erhielt ich einen Brief mit 100 Franken und der Aufforderug, zum Coiffeuer zu gehen». Aus zeitlichen Gründen habe sie das bis zur nächsten Sendung nicht geschafft, doch der Einsender habe sich noch einmal gemeldet: «Jetzt ist es viel besser.» Beim Fernsehen gebe es Ausstatter, deren Direktiven bei der Bekleidung sie lange gefolgt sei, erzählte Hasler weiter. Sie habe nicht den Mut gehabt, etwas zu sagen, wenn ihr das Ausgewählte nicht gefallen habe. «Schliesslich sind das die Spezialisten.»
Kaum Verständnis
In munterer Manier nahm Sonja Hasler ihre Zuhörerinnen mit in ihr Leben als Moderatorin, teilte mit ihnen Vorlieben und Abneigungen. Anzügliches war dabei, etwa wenn Zuschauer sich mit ihr auf ein romantisches Treffen verabreden wollten, aber auch immer wieder die Fokussierung auf ihr Äusseres. «Erst als sich mein Co-Moderator Sandro Brotz einen Dreitage-Bart wachsen liess, sagte er, jetzt verstehe er, wovon ich spräche.» Die Frage nach den Äusserlichkeiten beschäftigte auch die Zuhörerinnen. Ob es seit ihren Anfängen im Fernsehen zu Beginn der 2000er-Jahre besser geworden sei, wurde Hasler gefragt. Es sei noch immer ein wichtiges Thema, doch mit der Zunahme von Frauen in exponierten Positionen würde es sich bessern, antwortete diese. «Die hässlichen Kommentare kommen durchaus auch von Frauen!»
Unter Höchstspannung
Als erste Frau hatte Sonja Hasler die «Arena» moderiert: «Es verlangt viel Multitasking, 15 Alphatiere mit einer Mission, einen Knopf mit Instruktionen im Ohr und den eigenen Plan über 75 Minuten hinweg zu jonglieren. Anschliessend war ich jeweils fix und fertig.» Umgekehrt habe es ihr gefallen, so unter Adrenalin zu stehen. An ihre erste «Arena vor Ort» könne sie sich hingegen überhaupt nicht mehr erinnern. «Ich war krank, vollgestopft mit Medikamenten und machte die Moderation wie in Trance.» Nach der intensiven «Arena»-Zeit nahm sich Hasler eine Auszeit, um zu reisen und anschliessend die Moderation der Radiosendung «Persönlich» zu übernehmen. Doch da steht bald ihre letzte Sendung bevor. «Es ist ein wahnsinniges Privileg, das zu machen. Meine besten Erinnerungen stammen aus dieser Zeit.» Doch mit einer solchen Sendung gehe man irgendwie immer schwanger. «Sieben Jahre schwanger sein, ist genug.»