Zwei Finanzhaie kämpfen um eine Firma und dieselbe Frau
Ein kleines Einfamilienhaus in einem ruhigen Wohnquartier von Rapperswil-Jona. An diesem Morgen schreibt der Wirtschaftsjournalist Erik Nolmans – gebürtiger Niederländer, dreifacher Vater – an einem Wirtschaftsartikel. Doch neben seiner journalistischen Tätigkeit als stellvertretender Chefredaktor der Zeitschrift «Bilanz» hat Nolmans eine weniger bekannte Leidenschaft: Er schreibt Bücher.
Nach zwei Biografien hat er seinen ersten Roman vorgelegt. Und wer «Der Deal der drei Namen» liest, merkt, dass der Autor weiss, wie man Leser packt: In schnörkellos-direkter Sprache erzählt er eine raffinierte Geschichte eines gerissenen Hedgefonds-Managers und eines jungen Bankers.
Authentische Schauplätze
Dass Nolmans sich in der Finanzwelt auskennt, merkt man als Leser sofort. Gleichwohl musste auch er Einiges recherchieren: «Zuerst dachte ich, es ist ein Roman – also kann ich einfach drauflos schreiben», sagt er, während er am Wohnzimmertisch einen Espresso trinkt. «Aber dann war ich erstaunt, wie viel Zeit ich brauchte, um Fakten zu checken.» Zum Beispiel die Szene vom Showdown an der Generalversammlung, wo Aktionäre mittels Gerät elektronisch abstimmen. Ursprünglich habe er angenommen, dass das Abstimmen einige Minuten dauere. Doch der Hersteller verriet ihm, dass der Vorgang bloss Sekunden braucht.
Den Schreibprozess erlebte Nolmans als extrem befriedigend und schön.
Auch auf authentische Schauplätze legte Nolmans grossen Wert: Seine Geschichte handelt in Zürich und Basel, also mussten auch die einschlägigen Cafés, Bars und Restaurants vorkommen. So zum Beispiel das Café «Al Leone» an der Züricher Bahnhofstrasse. «Dort kann man auch mal Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der CS, treffen», weiss Nolmans. Nach über 20 Jahren als Wirtschaftsjournalist kenne man die bevorzugten Treffpunkte der Banker.
Kein strahlender Held
Auffallend auch, dass der Autor seine Romanfiguren vielschichtig anlegt: Sein machtgieriger Manager ist bei ihm nicht einfach böse, sondern hat durchaus auch sympathische Seiten. Die Hauptfigur Viktor wiederum ist bei ihm kein strahlender Held, sondern ein gescheiterter Künstler, der antriebslos seinen Bankenjob erledigt. «Ich glaube, jeder Mensch hat sowohl gute und schlechte Seiten», meint Nolmans. «Dieser Aspekt war mir sehr wichtig.» Er wolle nicht mit einem «moralischen Zeigefinger» erzählen.
Nun ist es nichts Ungewöhnliches, dass Journalisten Bücher schreiben. Tatsächlich ist «Der Deal der drei Namen» nicht Nolmans erstes literarisches Projekt: 2003 debütierte er mit einer Biografie über den Banker Rainer E. Gut, und drei Jahre später erschien eine Biografie über Josef Ackermann, dem damaligen Chef der Deutschen Bank.
Schreiberische Auszeit
Danach verspürte er Lust, einen Roman zu schreiben. Bloss – die zündende Idee hatte er noch nicht. Ein Jahr lang liess Nolmans das Projekt schlummern. Eines Morgens, beim Joggen im Joner Wald, hatte er die Eingebung: «Während des Rennens kam ich auf den Plot. Zumindest in den Grundzügen.»Sein Verleger und sein Chef unterstützten das Vorhaben. So nahm sich Nolmans eine berufliche Auszeit von zwei Monaten.
Er sei ein sehr disziplinierter Schreiber, und die Geschichte habe ihn wirklich gepackt: «Am Morgen schrieb ich vier, fünf Stunden. Dann ass ich etwas, machte ein Nickerchen und schrieb weiter bis zum Abend.» Diesen Schreibprozess erlebte er als «extrem befriedigend und schön». Faszinierend war für ihn auch, dass seine Figuren beim Schreiben ein Eigenleben entwickelten. «Ich habe eine bildliche Art des Schreibens und sehe einzelne Szenen vor mir», sagt Nolmans. So könne er seine Figuren quasi auf journalistische Art beschreiben. Nicht selten sei er selber vom Agieren seiner Fantasiegestalten überrascht gewesen.
Kein Schlüsselroman
Die Parallelen zwischen real existierenden Personen der Schweizer Wirtschaftswelt und den Romanfiguren sind nicht zufällig. Er habe sich durchaus von der Wirklichkeit inspirieren lassen, so Nolmans. Er betont jedoch, dass seine Geschichte ansonsten frei erfunden ist.
Im Roman werden Millionenbeträge wie Kleingeld herumgeschoben. Faszinierend ist dabei, wie kenntnisreich der Journalist und Buchautor die Vorgänge beschreibt. «In der Finanzwelt, die ich als Journalist kenne und im Buch beschreibe, ist Geld der grosse Leitfaden.»
Geld sei dort auch ein Massstab für menschliche Werte: «Wenn ein Banker 60 Millionen verdient, dann glaubt er wirklich, er sei ein besserer Mensch.» In der Wirtschaftswelt werde viel über Moral und kulturelle Werte geredet, aber das empfinde er als blosse Worthülsen. Laut ihm spüren viele Chefs kaum Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, sind schnell zu Entlassungen bereit, um die Shareholder zu erfreuen. «Das betrifft zwar alle Bereiche, aber in der Finanzindustrie tritt das am deutlichsten zutage.»
Die Lieblingsautoren des Autors
Eine Stunde lang hat Nolmans geduldig alle Fragen beantwortet, obwohl er noch einen Artikel für die Bilanz fertigstellen müsste. Zum Abschied führt er den Besucher zur Bücherwand im Wohnzimmer. Die Vielfalt der Autoren ist verwirrend: Neben Werken von Claude Cueni und Adolf Muschg stehen auch Harry-Potter-Bände. «Die sind von meinen Töchtern», erklärt er lachend. Er selbst lese gerade das neueste Buch des norwegischen Schriftstellers Karl Ove Knausgard.
BUCHTIPP
Erik Nolmans: «Der Deal der drei Namen»; Offizin Verlag; 269 Seiten; 26 Franken.