Wege aus dem Schlamassel
Der Fall des degradierten Kunstmuseum-Direktors Stephan Kunz wird in die Geschichte der Kommunikation eingehen – als abschreckendes Negativbeispiel. Denn die Strategie von Regierungsrat Martin Jäger hat bisher nur Opfer hinterlassen: Die Reputation vieler Beteiligter ist vorerst ramponiert, Kunz und seine ursprünglich vorgesehene Nachfolgerin, Nicole Seeberger, sind krankgeschrieben, und das Bündner Kunstmuseum steht ohne Führung da.
Und die Zeit der Unsicherheit hält an. Jäger will nun höchstselbst die Untersuchung im Bündner Kunstmuseum leiten und seine Ergebnisse und Entscheidungen im Laufe der nächsten Wochen der Öffentlichkeit mitteilen. Wie kann es danach weitergehen? Folgende Szenarien sind denkbar:
• Rehabilitation. Stephan Kunz wird wieder als Direktor des Bündner Kunstmuseums eingesetzt. Ihm zur Seite steht Nicole Seeberger, die sich als Administratorin mit den Personalfragen auseinandersetzt. Dieses Szenario erlaubt es am ehesten, dass alle Beteiligten ihr Gesicht wahren können. Prognose: Sehr wahrscheinlich.
• Status quo. Regierungsrat Jäger gelangt zum selben Schluss wie der externe Coach Peter Hinnen, der für die erste Untersuchung eingesetzt worden war. Stephan Kunz wird damit definitiv Hauptkurator, Nicole Seeberger übernimmt den Posten der Direktorin ad interim. Prognose: wahrscheinlich.
• Die fristlose Entlassung. Im Zuge seiner Untersuchung stösst Regierungsrat Jäger auf gravierende Verfehlungen, die ihm bisher verborgen geblieben sind. Jäger zieht die Konsequenzen und entlässt Kunz fristlos. Prognose: möglich.
• Gabrielli muss gehen. Stephan Kunz kann kein Fehlverhalten angelastet werden. Stattdessen gerät Barbara Gabrielli, die Leiterin des Amts für Kultur, zusehends in die Schusslinie. Dafür sorgen könnte eine Website, die der Scharanser Liedermacher Linard Bardill tatsächlich nächste Woche online schalten will, wie er gestern gegenüber dieser Zeitung erklärte. Die Website www.dujetzredi.ch soll ehemaligen Mitarbeitern Gabriellis die Möglichkeit bieten, über ihre Erfahrungen mit der umstrittenen Amtsleiterin zu berichten. Die Erkenntnisse, die dadurch ans Tageslicht kommen, könnten Jäger zwingen, Gabrielli in die Wüste zu schicken. Prognose: unwahrscheinlich.
• Der doppelte Absturz. Verwicklungen Jägers und Gabriellis kommen ans Licht. Die Geschäftsprüfungskommission untersucht die Angelegenheit und weisst den beiden unlauteres Verhalten nach. Jäger wie Gabrielli müssen zurücktreten. Prognose: sehr unwahrscheinlich.
Zu welchen Entscheidungen Regierungsrat Jäger auch immer gezwungen sein wird: Die Konsultation eines Kommunikationsspezialisten wäre angeraten.