Meine Woche als Mönch im Kloster Disentis
Für fünf Tage werde ich Mönch auf Zeit sein. Ich werde das Leben in der Gemeinschaft kennenlernen und versuchen, zur Ruhe zu kommen. Eigentlich will ich alles bewusster spüren, auch die eigene Vergänglichkeit. Meine Erwartungen? Die sind diffus. Vielleicht den stressigen Alltag hinter mir lassen? Mehr Zeit zum Nachdenken haben? Ehrlich: In meinem Leben würde ein wenig Besinnung nicht schaden. Ich gehe zwar regelmässig in die Kirche und kenne mich in der Theologie nicht ganz so schlecht aus, und doch finde ich, es braucht mehr.
Ich glaube, es braucht gerade heute in einer säkularisierten Welt den Mut, diesen einen einzigen Gott anzureden. Den Mut dafür schöpft der christliche Mensch aus seiner Beziehung mit Jesus Christus. Grundsätzlich geht es um die Teilnahme an Jesu Leben, Tod und Auferstehung. Gerade seine Auferstehung ist es, die uns stets hoffen lässt. Der Theologe Karl Rahner schreibt, dass die Auferstehung nicht eine von vornherein heilsneutrale Bleibendheit der menschlichen Existenz meint, sondern ihre Angenommenheit und ihr Gerettetsein durch Gott. Um diese Auferstehung zu begreifen, braucht es eine tiefe Hoffnung aus dem Glauben heraus. Ich hoffe, die Mönche geben mir einen Crashkurs. Ganz im Sinn des Heiligen Benedikts: «ora et labora.»
Reporter Fabio Theus meldet sich täglich um 12.50 Uhr auf Radio Südostschweiz aus dem Kloster Disentis.