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Kultur

Mehr als nur beten

Die Zahl der Kirchengänger nimmt stetig ab. In Tenna wird am Samstag ein Projekt zur Kirchenumnutzung vorgestellt. Wozu eignen sich Kirchen denn sonst noch?
28.10.2017, 04:30 Uhr
gestern um 12:10 Uhr

Die Gemeinde Safien sucht nach neuen Nutzungen für ihre sechs Kirchen. «Dass man ganzjährig für den Unterhalt aufkommen muss, die Kirchengebäude aber nur zweimal im Monat genutzt werden, stört die Gemeinde», sagt die Geschäftsführerin des Bündner Heimatschutzes Ludmila Seifert. Im Rahmen der Generalversammlung des Heimatschutzes findet am Samstagnachmittag in Tenna eine öffentliche Veranstaltung zum Thema Kirchenumnutzungen statt.

Vielschichtiges Unterfangen

Die Umnutzung der Kirchen im Safiental wird am Samstag von Marlene Walter, der Präsidentin der Kirchgemeinde Safiental, und Eugen Caduff von der Evangelisch-Reformierten Landeskirche Graubünden vorgestellt werden. Auch Seifert wird einen Beitrag zur Veranstaltung leisten. «Dem Heimatschutz geht es darum, auf die Vielschichtigkeit hinzuweisen. Bei der Umnutzung einer Kirche sind sowohl bauliche wie auch kulturelle und soziographische Aspekte zu berücksichtigen», hält Seifert fest. Würden beispielsweise die Kirchbänke entfernt, würde der Kirche ein grundlegendes, sinnstiftendes Element entfernt, so Seifert.

Seminare, Kultur und Wohnraum

Auf Bündner Boden sind «suedostschweiz.ch» drei Fälle bekannt, in denen Kirchen eine neue Funktion gefunden haben: In der anglikanischen Kirche in Nairs finden Seminare statt und die Kirche in Sils i.E. beherbergt einen Kulturraum. Wer in Chur ein Haus zum Mieten sucht, stösst auf das Inserat «Wohnen in der Kirche an einmaliger Lage», in dem eine ehemalige Kirche mit Wohnräumen zum Mieten angeboten wird.

Klettern, essen und lesen

Wozu eignen sich Kirchen denn sonst noch? Wir haben uns in der virtuellen Welt umgesehen:

H3, so heisst die Kletterhalle, die im deutschen Metzingen von der evangelisch-methodistischen Kirche im Kirchgebäude betrieben wird. H3 steht für hochklettern, herunterkommen, Halt finden. Womit auch ohne Gottesdienste noch christliche Werte gelebt werden: Gemeinschaft leben, einander unterstützen und Halt geben und finden.

https://youtu.be/-esiDLIY8Y4

Die Gemeinschaft leben und sich austauschen steht auch in der St. Peters Church in Liverpool im Vordergrund: bei Getränken und feinem Essen. Im «Alma de Cuba»,  das ein Restaurant und eine Bar mit lateinamerikanischem Einschlag vereint, wird die Kirchen-Architektur mit langen Holztafeln betont und mit einer geschickten Beleuchtung für eine optische Vergrösserung des Kirchenschiffs gesorgt. Der Bezug zur Religion ging auch nach der Umnutzung nicht verloren: Das «Alma de Cuba» sei heute bei Hochzeitsgesellschaften beliebt, sonntags kann man während des Brunch' Gospelchören lauschen.

Gesangsbücher und Bibeln: Bücher sind in Kirchen seit jeher fester Bestandteil. Im niederländischen Maastricht gibt es in der riesigen Dominikanerkirche keine Gottesdienste mehr, dafür eine Unmenge an Büchern. Die Buchhandlung Selexys Dominicanen behauptet von sich, das grösste Sortiment der Stadt vorrätig zu haben. Dieses ist auf riesigen dunklen Bücherregalen auf mehreren Etagen untergebracht. Neben den Büchern gibt es auch verschiedene Veranstaltungen wie Lesungen und Musikevents.

Beim Innenausbau wurde der heiligen Stätte Rechnung getragen:

Welche Ideen wohl in Graubünden umgesetzt werden?

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