Zum Hauptinhalt springen
Kultur

Jan Delay heizt dem Festival-Publikum fulminant ein

Jan Delay enttäuschte die hohen Erwartungen nicht: Der gewiefte Sänger und Entertainer zog alle Register – mit seiner Band Disko No. 1 brachte er die Leute zum ekstatischen Mittanzen. Kalter Wind und ein paar Regentropfen spielten da keine Rolle mehr.
Jérôme Stern
30.06.2017, 05:11 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Über dem Fischmarktplatz Rin Rapperswil-Jona hängen dunkle Wolken. Auf der Bühne legen sich Ritschi und seine Musiker voll ins Zeug. Sie eröffnen das 18. Blues’n’Jazz als Vorband von Jan Delay. Und es ist ein undankbarer Job. Immer wieder animiert der Sänger die Leute zum Mitsingen, doch Partystimmung kommt nicht auf.

Beim gestrigen Auftakt spielt Ritschi ausschliesslich Songs seiner neuen CD. Seine Musik klingt härter und elektronischer als je zuvor – und auf der Fischmarktbühne gibt der einstige Schmusesänger ganz den Rocker. Die Gitarre heult, die Drums hetzen geradeaus, und Ritschi singt leidenschaftlich: «I bi wider da.» Das Publikum nimmt es eher gelassen zur Kenntnis. So schnell gibt Ritschi jedoch nicht auf. Er hüpft von der Bühne, läuft durch die Menge zum Brunnen vor dem Bürgerspital, wo er den Song zu Ende singt.

Die Menge will Jan Delay

Ritschi und seine Band liefern ein tadelloses Konzert ab, doch mitreissen kann er die Leute nicht. Ein sanftes Mitschunkeln, anschliessend ein höflicher Applaus – mehr liegt für ihn an diesem Abend nicht drin: Die Leute wollen Jan Delay. Und der kommt pünktlich um 21 Uhr auf die Bühne. Mit voller Besetzung: Die zehn Musiker plus drei Sängerinnen machen sogleich klar, dass die Party jetzt beginnt. «Rapperswil, gehts euch gut? Alle Hände sind jetzt oben», befiehlt Delay. Die Menge gehorcht wie ein Mann. Zum knochentrockenen Rhythmus und harten Gitarrenriffs tanzt das Publikum vom ersten Ton an.

Die Party hat in der Tat begonnen. Wie Jan Delay – Anzug, dunkle Sonnenbrille, Hut – seine perfekte Show abzieht, ist Weltklasse. Die Band agiert genauso perfekt.

TV Südostschweiz sprach vor dem Auftritt mit Ritschi und fragte ihn als erstes, was es ihm bedeutet, das Blues'n'Jazz 2018 eröffnen zu dürfen.

Interview Ritschi.

Der geborene Entertainer

Delay mag kein grosser Sänger sein, und für seine Songs bedient er sich schamlos in der Rockgeschichte. Doch erstens klaut er bei den Besten, und zweitens ist er der geborene Entertainer. Ein kleiner Wink, und schon strecken sich alle Hände in die Höhe. «Hey Rapperswil, ihr feiert aber heftig», ruft er in die Menge und zieht sein Jackett aus.

Auf seine Musiker kann sich Delay jederzeit verlassen, sie liefern ihm genau den Powersound, den er braucht. Und die Sängerinnen sind gewissermassen das Sahnehäubchen auf den raffinierten Arrangements. So tänzelt der Sänger über die Bühne, singt seine Texte, die man nicht unbedingt mitkriegt. Doch das ist völlig egal, Partystimmung vermag er allemal zu verbreiten.

Höhepunkt des Gigs ist eine Coverversion von Led Zeppelins «Whola Lotta Love». Noch lauter als einst von den Hardrockern dröhnen die berühmten Akkorde über den Fischmarktplatz, die Lichtshow wirft Blitze, und die Menge wiegt sich ekstatisch im harten Beat.

Doch die Musiker können auch anders. Nach den Rocknummern gibts Reggae. Auf dem Fischmarktplatz bleibt kein Bein still, jeder tanzt, es fühlt sich wie in einer Disco an – passend zum Bandnamen Disko No. 1.

Sogar die Regenwolken vermögen die Musiker mit ihrem Konzert zu verscheuchen. Die wenigen Tropfen verdampfen ob der heissen Stimmung, bevor sie auf die Pflastersteine fallen.

Online-Umfrage am 18. Blues’n’Jazz.
Jan Delay heizt dem Festival-Publikum fulminant ein | Südostschweiz