Die unendliche Schönheit hat viel zu viele Risse
Im Treppenhaus des Kunsthauses hängt ein grossformatiges Foto eines mäandernden blau-violett-weissen Gletscherflusses. Er zieht die Besucher direkt in den Oberlichtsaal, in dem der Glarner Fotograf Fridolin Walcher gerade mit Einrichten respektive dem Aufhängen seiner grossformatigen Fotografien beschäftigt ist. Der Glarner Künstler Martin Stützle arbeitet derweilen gerade daran, an einer Wand im Schneelisaal eine riesige, von Rissen durchzogene Eisoberfläche anzubringen. Stützles «Sammlung» an Eisberg-Radierungen hängt bereits.
Nachdem die Glarner Künstler Martin Stützle und Fridolin Walcher im Mai 2018 auf Einladung von Schweizer Wissenschaftlern in Grönland weilten, können sie nun ihre künstlerische Sicht auf die Eiswelt der Öffentlichkeit zeigen. Es sind Werke, die aufgrund ihrer Recherchen und Eindrücke in den beiden arktischen Forschungsstationen der Schweiz oder beim Überfliegen des Humboldt- und Petermanngletschers nördlich der Zivilisationsgrenze entstanden sind, oder von Begegnungen mit den Menschen in Grönland inspiriert wurden.
Die unendlichen Weiten des Eises
Der Schweiss rinnt trotz der eisigen Fotosujets oder Druckgrafiken. Was letztlich in «Des Gletschers Kern» alles gezeigt wird, wird trotz langer Vorarbeit auch noch vor Ort entschieden und miteinander entwickelt. Da werden noch Sujets reduziert, dort wird noch erwogen, ein weiteres Bild zu zeigen. Wobei der Oberlichtsaal von Fridolin Walcher, der Schneelisaal von Martin Stützle und der Seitenlichtsaal von beiden gemeinsam bespielt wird.
Er wolle die Besucher die Weite des Polareises spüren lassen, sagt Fridolin Walcher. Und das gelingt ihm mit betörenden Fotografien, die die unendliche Weite des Eises zeigen. Fasziniert betrachtet man zugleich morsche oder traurige Eisberge, die den Fotografen besonders reizten, weil man ihnen schier zugucken kann, wie sie auseinanderfallen.