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Kultur

Der letzte Tag als Mönch im Kloster Disentis

Die Woche ist um - unser Reporter hat fünf Tage im Kloster verbracht.
Fabio Theus
17.08.2017, 03:22 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Bruder Fridolin sucht mich im ganzen Kloster. Ich habe mich einmal mehr verlaufen. Doch wer sucht, der findet. Gemeinsam nehmen wir den Weg nach oben. Es ist finster. Bruder Fridolin macht Licht im Dunkeln. Wir stehen über der Klosterkirche im Estrich. Alte Holzbalken, altes Gemäuer und Fledermäuse, die sich am Licht stören. Irgendwie ist es unheimlich hier oben. Wir gehen weiter. Bruder Fridolin zeigt mir die Kulturgüter des Klosters. Es sind verstaubte Statuen von Heiligen, Keramiksachen mit Heiligen, Bilder von Heiligen oder Textilien mit Heiligen. «Hier sind noch alte Gewehre», sagt Bruder Fridolin.

Die Klostergemeinschaft sei gut gerüstet, falls ein Angriff erfolgt, schmunzelt er. Wenig später schauen wir uns den Hochaltar der Klosterkirche an. Wir sind übrigens Backstage, sprich hinter den Kulissen. Dort gibt es weder Gold noch Silber, sondern nur Holz und Nägel. Der Hochaltar ist mit vielen einzelnen Brettern zusammengebaut. Schön ist das nicht, finde ich. Aber ich hülle mich in Schweigen. Denn der Zunge Macht steht unter Generalverdacht. Ich gehe in mein Zimmer und versuche zu arbeiten.

Doch ich komme nur langsam voran. Mein Kopf lässt sich zu sehr auf die Schönheiten des Klosterlebens ein. Aufstehen, hinsetzen, aufstehen, morgens, mittags, nachmittags, abends, nachts, beten, singen, beten, singen, Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste. Wie an allen Tagen so auch jetzt und alle Zeit. Amen.