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Abba-Star Anni-Frid Lyngstad wird 75

«My, my, at Waterloo Napoleon did surrender!»: Als zwei junge Schwedinnen dem Publikum des Eurovision Song Contests 1974 diese Worte entgegenschmettern, beginnt damit eine internationale Musikkarriere ungeahnten Ausmasses.

Agentur
sda
Montag, 09. November 2020, 10:26 Uhr Stockholm
ARCHIV - Anni-Frid Lyngstad von der schwedischen Popgruppe Abba, bei einem Konzert der Band in der Deutschlandhalle im Rahmen ihrer Deutschland-Tournee. Foto: picture alliance / dpa
ARCHIV - Anni-Frid Lyngstad von der schwedischen Popgruppe Abba, bei einem Konzert der Band in der Deutschlandhalle im Rahmen ihrer Deutschland-Tournee. Foto: picture alliance / dpa
Keystone/dpa/Chris Hoffmann

Anni-Frid Lyngstad und Agnetha Fältskog sichern der Musiknation Schweden in diesem Moment gemeinsam mit ihren späteren Ehemännern Benny Andersson und Björn Ulvaeus nicht nur den ersten ESC-Sieg. Abba - so ihr Bandname - macht sich zugleich in ein Jahrzehnt der Abbamania mit einem Pop-Welthit nach dem anderen auf. Immer mittendrin: Anni-Frid Lyngstad, von allen nur Frida genannt. Am Sonntag (15.11.) wird die Sängerin 75 Jahre alt.

Seit dem geschichtsträchtigen ESC-Auftritt im englischen Brighton ist fast ein halbes Jahrhundert vergangen. Wenn man so will, dann ist die Zeitspanne zwischen dem faktischen Abba-Ende 1982 und dem Corona-Jahr 2020 mittlerweile grösser als die zwischen Lyngstads Geburt und besagtem Band-Ende. Doch auch 38 Jahre danach bleibt Abba mit schätzungsweise mehr als 380 Millionen verkauften Tonträgern, einem eigenen Museum, Musical und noch viel mehr eine der erfolgreichsten Gruppen der Musikgeschichte. In ihrer Liga spielen sonst vielleicht nur noch die Beatles, die Rolling Stones und Metallica.

Dass Anni-Frid Lyngstad in dieser Liga mitspielen würde, das konnte keiner vorausahnen - dass sie in der Musik landen würde dagegen schon. Auf die Frage, wann sie denn zu singen begonnen habe, habe sie immer eine bestimmte Antwort parat gehabt, wird im Abba-Museum in Stockholm erzählt: Niemals - sie habe schliesslich immer gesungen. «Ich singe immer noch - zu Hause», verriet sie 2014 in einem ihrer seltenen Interviews in der skandinavischen Sendung «Skavlan».

Das Abba-Museum plant anlässlich von Fridas Ehrentag an diesem Samstag eine Konzertvorstellung, in der ihr Lebensweg von der Schauspielerin und Sängerin Anna Bromee nacherzählt werden soll. Dieser nicht immer einfache Weg hat für Lyngstad am 15. November 1945 in einer Bergbausiedlung nahe der Stadt Narvik im Norden Norwegens begonnen. Weil ihr Vater ein deutscher Wehrmachtssoldat gewesen ist, gilt sie als «Tyskerbarn», als Deutschenkind, wie Besatzungskinder damals genannt wurden. Ihre Mutter Synni Lyngstad ist bei Fridas Geburt erst 19 Jahre alt und stirbt bereits 1947 an Nierenversagen - der erste Schicksalsschlag in Fridas noch jungem Leben.

Als kleines Mädchen zieht sie mit ihrer Grossmutter nach Torshälla in Schweden, wo sie als Teenager auch die schwedische Staatsbürgerschaft erhält. Von ihrem deutschen Vater Alfred Haase glaubt sie damals, dass er tot ist - bis zum Jahr 1977: Damals führt ihre Abba-Prominenz dazu, dass sie von der «Bravo» mit ihm zusammengebracht werden kann. «Sein Name ist Haase, er wusste von nichts», titelt das Jugendmagazin damals. Ein nachhaltiger Kontakt entsteht nicht. «Es wäre anders gewesen, wenn ich ein Kind gewesen wäre. Aber es ist schwierig, einen Vater zu bekommen, wenn du 32 Jahre alt bist», sagte sie dazu einst.

Zu dem Zeitpunkt ist Frida längst weltberühmt, tourt mit Abba um den Globus und liefert einen Erfolgssong nach dem anderen. «SOS», «Mamma Mia», «Fernando», «Dancing Queen»: Was Abba anfasst, wird zu Gold. Millionen Menschen in aller Welt verfallen in Abba-Hysterie, wollen Agnetha, Björn, Benny und Frida in ihren schrillen Outfits sehen. Unzählige Männer himmeln die blonde Agnetha und die brünette Frida an, wenn sie gemeinsam auf der Bühne stehen und im Takt wippen.

1982 ist (vorerst) Schluss damit. Abba verkündet eine Band-«Pause», die bis heute anhält - auf die 2018 angekündigten neuen Songs «I Still Have Faith In You» und «Don't Shut Me Down» warten Fans bislang vergebens. Was nicht heisst, dass Fridas Mezzosopran-Stimme seit dem Ende der grossen Abba-Zeit verstummt wäre: Sie veröffentlichte noch drei Solo-Alben - zwei auf Englisch, eines auf Schwedisch - und nahm unter anderem Duette mit Phil Collins und Roxette-Frontfrau Marie Fredriksson auf. 2018 war sie zuletzt auf Spanisch an der Seite des Trompeters Arturo Sandoval im alten Abba-Hit «Andante, Andante» zu hören.

Heute lebt sie fernab des trubeligen Musikgeschäfts in der Schweiz. Dort ist sie auch nach dem Tod ihres dritten Ehemanns geblieben. Für die sehr naturverbundene Frida, der die Umwelt seit langem am Herzen liegt, ist die Alpenrepublik genau das Richtige. «Ich bin auch in den Bergen geboren», sagte sie 2014 bei «Skavlan». «Es ist, als würde sich der Kreis schliessen. Ich bin zurück in der Natur, in der ich einmal geboren wurde. Es gefällt mir fantastisch gut in den Bergen.»

Zu Lyngstads Lebensgeschichte zählen auch viele Schicksalsschläge, darunter nicht nur die Trennung von Benny Andersson 1981 drei Jahre nach ihrer Hochzeit. Eines der beiden Kinder aus ihrer ersten Ehe mit dem schwedischen Musiker Rasmus Fredriksson, ihre Tochter Ann Lise-Lotte, starb mit 31 bei einem Autounfall. 1999 starb ihr dritter Mann, der Deutsche Heinrich Ruzzo Prinz Reuss von Plauen, an Krebs.

Seit 2008 ist sie mit dem adeligen Briten Henry Smith zusammen. Das Paar lebt sehr zurückgezogen und geniesst das Privatleben, wie das Promiportal «Promipool» zu berichten weiss. Die frühere Abba-Managerin Görel Hanser verrät auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nur so viel: Anni-Frid Lyngstad gehe es gut.

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